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Über die norddeutsche Wäldethonformation

Degenhardt

Kurzfassung

Herr Degenhardt sprach zur Orientirung der anwesenden Mitglieder, weiche diesmal im Gebiete der norddeutschen Wälderthonformation tagten, über die Verbreitung dieser Formation, ihre petrographische Zusammensetzung, ihren paläontologischen Inhalt und über ihre nutzbaren Mineralien und Gesteine, legte auch eine Anzahl charakteristischer Petrefacten theils zur Ansicht, theils zur Aneignung aus. Derselbe hob hervor, dass über die specielle Gliederung der Formation, namentlich in ihren oberen Etagen verschiedene Ansichten herrschten und dass es wünschenswerth wäre, dieselben durch ein vergleichendes Studium des Bückeberges und des Deisters, woselbst diese Etagen am entwickeltesten aufträten, bald zur Entscheidung zu bringen. Nach Dunker in Marburg und Struckmann in Hannover gestalte sich diese Gliederung bei einer Ausdehnung von 20 bis 25 km im Streichen, von Westen nach Osten wie folgt: (Siehe nebenstehend.) Neuere Aufschlüsse bei Schachtabteufungen (Schacht W F 1, Kunstschacht III, F O und O F 1) auf den Obernkirchner Steinkohlengruben hatten zu erkennen gegeben, dass dort über den von Dunker als oberer Wealdenschiefer bezeichneten Schichten, noch jüngere Wealdenschichten aufträten, die sich sowohl paläontologisch als petrographisch von den Dunker'schen oberen Wealdenschiefern unterschieden. Nach Dunker am Bückeberge im Scbaumburgischen. Oberer Wealdenschiefer. Wealdensandstein. Unterer Wealdenschiefer. Serpulit. Bunter Wealdenmergel. Purbeckschichten. Nach Struckmann am Deister in der Provinz Hannover. Oberer Wealden. Mittlerer Wealden. Unterer Wealden oder Purbeck, enthaltend a. Serpulit (Purbeckkalk), b. Münder Mergel (Purbeckmergel. Nach unmassgeblicher Ansicht des Vortragenden, die durch weitere Untersuchungen definitiv zu begründen wäre, schiene es demselben für zweckmässiger, in Zukunft die Struckmann'sche Gliederung der Eintheilung des norddeutschen Wälderthones, namentlich seiner oberen Etagen zu Grunde zu legen und die vom Vortragenden neu aufgefundenen obersten Wealdenschichten, wie einen Theil des Dunker'schen oberen Wealdenschiefers mit dem Struckmann'schen oberen Wealden zu vereinigen. Der untere Theil des oberen Dunker'schen Wealdens sei dagegen mit dem mittleren Wealden von Struckmann zu vereinigen; wo die Grenze zu ziehen, sei heute noch nicht sicher.