Original paper

Über die Entwickelungsgeschichte der Branchiosauren.

Credner, Hermann

Kurzfassung

Schon in meiner 1881 in der Zeitschrift dieser Gesellschaft erschienenen Arbeit über Branchiosaurus amblystomus CRD. aus dem Mittelrothliegenden des Plauen'schen Grundes bei Dresden habe ich auf die Möglichkeit hingewiesen, dass Branchiosaurus gracilis keine selbstständige Art, sondern nur die mit Kiemen athmende Larve von Branchiosaurus amblystomus sei. Diese Vermuthung hat sich mir zur Gewissheit gestaltet, seit ich die Reste von Hunderten während der letzten Jahre gesammelten Exemplaren mit besonderer Berücksichtigung dieser Frage durchmusterte. Das reiche mir vorliegende Material, von welchem ein kleiner Theil im Versammlungssaale ausgestellt ist, wird einer speciellen Monographie über diesen Gegenstand zu Grunde gelegt werden. Heute seien nur die wesentlichsten Veränderungen, welche die Entwickelungsgeschichte dieser palaeozoischen Schuppenlurche kennzeichnen, kurz hervorgehoben. Die Larve von Br. amblystomus, bisher unter dem Namen B. gracilis CRD. (nach Geinitz und Deichmüller = Br. petrolei Gaudry spec.) als selbstständige Species beschrieben, entwickelt sich zur reifen Form wie folgt: 1. Die Dimensionen nehmen zu. Die kleinsten der vorliegenden Exemplare von Br. gracilis messen kaum 12 mm; allmählich an Grosse zunehmend, erreichen sie eine Maximallänge von ca. 55 mm; alle noch grösseren Exemplare haben, wie gezeigt werden wird, keine Kiemen mehr, besitzen dahingegen einen Bauchpanzer, sind also nicht mehr Larven, sondern reife Formen von Br. amblystomus, welche bis zu einer Länge von 140 mm anwachsen. 2. Die Verknöcherung des Skeletes, welches bei den kleinen Larven nur als zarter Hauch erhalten ist, nimmt in gleichem Schritte mit dem Wachsthum zu.