Original paper

Über kleine Schichtenverwerfungen im Oberharz

Langsdorff

Kurzfassung

Herr Langsdorff theilte Folgendes mit: Der Hauptdiabaszug des Westharzes wird an seiner Südostgrenze von einem System demselben paralleler, dem Stringocephalenkalk zugehöriger Eisensteinlager begleitet, welche indessen keinen zusammenhängenden Zug bilden, vielmehr an verschiedenen Stellen durch Qnerspalten unterbrochen werden. An einigen Stellen, so z.B. in 2/3 der Ortslänge von Lerbach (von oben an gerechnet), ferner am Nordfuss der Kuckholzklippe, am Ziegenberger Teiche sowie am Kehrzage zeigen die Eisensteinlager erhebliche und sehr deutliche, seitliche Verwerfungen. Dieselben betragen durchschnittlich 200-300 Meter und finden alle in dem Sinne statt, dass je die nordöstliche Lagerfortsetzung gegen den südwestlichen Theil nach Osten verschoben ist. Ausser diesen Hauptspalten zeigt sich noch eine grosse Anzahl untergeordneter Trennungslinien, welche indessen alle ebenfalls deutlich ausgeprägt sind. Verfolgt man die Spalten beiderseits weiter, so ergeben sich ähnliche Verwerfungen überall da, wo die Schichten an die Spalten herantreten und es werden von den Verwerfungen sämmtliche Kieselschieferzonen zu beiden Seiten der Sösemulde sowohl als die Quarzite des Bruchberges und die Schichten des Hercyns zwischen dem Bruchberge und St. Andreasberg betroffen. Ein Gleiches gilt vom Diabaszug selbst sowie von den Culmgrauwackenzonen und Conglomeraten nordwestlich von demselben, nur dass hier der Beobachtung dadurch Schwierigkeiten erwachsen, dass wegen der Aehnlichkeit und den mannigfachen Uebergängen der Gesteine ineinander (Grau- waken, Grauwackenschiefer, Thonschiefer und Conglomerate) der specielle Nachweis der Verwerfungen viel schwerer zu liefern ist. Aus diesen übereinstimmenden und sich über den ganzen Westharz gleichmässig verbreitenden Erscheinungen darf geschlossen werden, dass die Oberfläche der Schichten auf der geologischen Harzkarte gewissermaassen als eine Art Mosaik umsomehr aufzufassen ist, als oft an den Gangspalten Schichten plötzlich verschwinden, um jenseits einer später folgenden Spalte wieder zum Vorschein zu kommen, wodurch die Oberfläche theilweise ein schachbrettartiges Ansehen gewinnt. Herr v. Groddeck bemerkte zu dem Vortrage des Herrn Langsdorff, dass es zwar viele, meist kleine Schichtenverwerfungen im Gebiete des Oberharzes giebt, welche noch nicht zur Darstellung gelangt sind, dass aber die von Herrn Langsdorff angegebenen, lang ausgedehnten, geradlinig verlaufenden Verwerfungen der Natur nicht entsprechen.