Original paper

Über den Ursprung des Petroleums in Norddeutschland

Koenen, Adolf

Kurzfassung

Herr Von Koenen sprach über den Ursprung des Petroleums in Norddeutschland und bemerkte zunächst, dass es durchaus denkbar wäre, dass das Petroleum sich jetzt vielfach auf secundärer Lagerstätte fände; ob es seinen Ursprung in der productiven Steinkohlenformation hat, erschiene aber sehr zweifelhaft, da einerseits deren Vorhandensein nördlich vom Harz überhaupt noch nicht nachgewiesen wäre, und andererseits durch die mächtigen Schichtenfolgen der Zechsteinformation und der Trias, event. auch die des Lias und Jura überlagert sein würde. Die Altersbestimmung der von den Petroleum-Bohrlöchern durchbohrten Schichten sei sehr misslich, da Bohrproben, zumal wenn die Spühlbohrmethode angewendet würde, meist nur schwer resp. unsicher zu deuten seien, und da die Möglichkeit auf der Hand läge, dass die Bohrlöcher schräg (wie gewöhnlich) einfallende Verwerfungspalten durchbohrt und somit nicht gleichmässig aufeinander liegende Schichten angetroffen hätten. Deshalb seien auch Schlüsse aus dem Alter der in einiger Entfernung zu Tage tretenden Schichten nur mit sehr grossem Vorbehalt zu ziehen. In der vorhandenen Literatur sei nicht immer Richtiges und Irriges leicht zu unterscheiden. Redner bemerkte hierbei, dass er sowohl, als auch Zittel die Stücke gesehen habe, die Piedboeuf (Petroleum Central-Europa's, Düsseldorf 1883, pag. 28) als Montlivaltia capitata anführt, dass er aber weder Gestalt noch Structur von Korallen oder sonstigen Organismen habe erkennen können, die Stücke vielmehr für Kalkconcre- tionen halten müsse, so dass die Deutung der Schichten von Schwarzwasser als Keuper auf Grund dieser St. Cassian-Art sehr gewagt erscheine.