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Über den Eruptivstock von Oberwiesenthal im Erzgebirge.

Sauer, Adolf

Kurzfassung

Auf dem Kamme des Erzgebirges, dem südlichen Steilabsturze desselben z. Th. sehr nahe gerückt, treten jungeruptive Gesteinsmassen gewissermaassen als Vorposten der mächtigen, die Egerthalspalte erfüllenden Eruptivergüsse in grosser Verbreitung auf; dieselben imponiren im Allgemeinen mehr durch eine topographisch hervorragende Stellung (Hassberg, Bärenstein, Pöhlberg, Gottesgaber Spitzberg), als durch eine petrographisch mannichfaltige Zusammensetzung. Eine Ausnahme hiervon macht jene kleine, am Fusse des Fichtel- und Keilberges bei Oberwiesenthal die Glimmerschieferformation durchbrechende Eruptivmasse, welche bereits seit Langem als Fundstelle der Modell-gleichen, bis Hühnerei-grossen Leucit- Pseudomorphosen in der mineralogischen Literatur bekannt, in Folgendem kurz als Oberwiesenthaler Eruptivstock bezeichnet werden mag. An der Zusammensetzung desselben nehmen, petrographisch wie auch tectonisch innig miteinander verknüpft, drei verschiedene Gesteinsarten Theil. nämlich Nephelinbasalte, Phonolithe und Leucitporphyre, welche hinsichtlich ihrer structurellen und petrographischen Ausbildung die denkbar mannichfaltigste Entwickelung darbieten. So ist, was zunächst die Nephelinbasalte betrifft, die ganze Reihe von grobkörnigen Nephelindoleriten bis zu den Glas-reichen, Pech-glänzenden Tachylitbasalten vertreten, die porphyrisch, gleichmässig oder blasig ausgebildet eine normale Zusammensetzung aufweisen oder reich an accessorischen Bestandtheilen wie Biotit, Hornblende, Hauyn oder Leucit sind. Aehnlich verhalten sich die Phonolithe, welche bald von über Centimeter-grossen, fluidal angeordneten Sanidintafeln strotzen, bald Hornsteinartig dicht, jeglicher porphyrischer Einsprenglinge entbehren oder so reichlich Augit unter gleichzeitigem Zurücktreten des Sanidin aufnehmen, dass allmähliche und continuirliche Uebergänge zu den Nephelinbasalten hergestellt werden. Das hervorragendste Interesse beanspruchen indess die Leucitophyre.