Original paper

Über die Bildung der preussischen Seeen.

Jentzsch, Alfred

Kurzfassung

Während über die Entstehung der Alpenseeen eine umfangreiche Literatur existirt, haben nur Wenige sich mit der Erklärung der in vieler Hinsicht analogen Hohlformen Norddeutschlands beschäftigt. Die neueste von Herrn Penck aufgestellte Hypothese, dass dieselben Erosionsthäler seien, welche lediglich in Folge der durch das Abschmelzen des Inlandeises bedingten Aenderung der Grundfläche als Wannen erscheinen, ist völlig unhaltbar, da auch das mächtigste Eis nicht so grosse Lothablenkungen hervorzubringen vermag, wie sie auf Grund und jener Hypothese zur Erklärung des in der Längsrichtung unserer Seeen bis 14° betragenden Gefälles angenommen werden müssten. Thalartig ist allerdings der Umriss der meisten Seeen, insbesondere wenn man neben den mit Wasser ausgefüllten Becken auch die durch alluviale Sedimente, Torf und Kalk- absätze zugewachsenen Ausläufer hinzufügt. Thalartig linear ist die Anordnung mittlerer, kleiner und kleinster Wasser- und Torf-Flächen, sowie der in Unterdiluvialsand-Gebieten häufigen trockenen Kesseleinsenkungen. Wie Flussläufe vereinigen sich bisweilen solche meilenlangen Seeenthäler unter spitzen Winkeln, wofür Vortragender anderwärts einige Beispiele angeführt hat. Die Thalgestalt muss einen Ausgangspunkt jeder über die Bildung dieser Seeen aufzustellenden Theorie bilden. Geht man dann von der Wahrscheinlichkeit einer Erosion aus, so liegt der Kernpunkt der Schwierigkeiten in der Frage: welche Kräfte unterbrechen die Gleichmässigkeit des Thalweges, oder welche Umstände befähigten das erodirende Medium zu einem Emporheben des Beckeninhaltes?