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Über die Fortsetzung seiner Untersuchungen cambrischer Archaeocyathus-Formen und verwandter Organismen von der Insel Sardinien.

Bornemann, J. G.

Kurzfassung

Die früher über die cambrischen Bildungen Sardiniens gegebenen Mittheilungen befinden sich im Bericht des internationalen geologischen Congresses zu Bologna und in dieser Zeitschrift. Weitere Resultate wurden in der April-Sitzung der deutschen geologischen Gesellschaft in diesem Jahre mitgetheilt. Manches hierher gehörige findet sich auch in Meneghini's Publicationen in italienischen Zeitschriften (Società Toscana, Acad. Lincei). Die genauere Untersuchung der äusserst zarten Organismen war eine mühsame und langwierige Arbeit, da die mit Structur erhaltenen Vorkommnisse in harten Kalksteinen und Kalksandsteinen eingeschlossen sind und nur mittelst der Schneide- und Schleifmaschine und durch Anfertigung zahlreicher mikroskopischer Präparate der complicirte Bau dieser merkwürdigen Wesen allmählich klar gelegt werden konnte. Die bisherige Kenntniss der von Billings aufgestellten Gattung Archaeocyathus beschränkte sich auf die canadischen Arten: A. profundus, minganensis, Atlanticus, Rensselaericus und das von Ferd. Romer unter dem Namen A. marianus beschriebene Fossil aus Spanien. Als Gattungscharaktere wurden angegeben: Trichter-förmige oder subcylindrische Gestalt; eine innere und eine äussere Wand mit feiner netzförmiger Sculptur; zwischen Aussen- und Innenwand zahlreiche radiale Lamellen, durch welche der Zwischenraum in Fächer getheilt wird, welche durch Poren in den Wänden mit einander communiciren. Billings fand in Archaeocyathus minganensis eigenthümliche "Spicula", welche ihn veranlassten, die Gattung zu den Spongien zu stellen. Später erklärt er sie für eine Zwischenstufe zwischen Protozoen und Coelenteraten. Im Unterschiede von den übrigen ziemlich regelmässig gabauten Arten zeigen seine Abbildungen von Archaeocyathus atlanticus sehr unregelmässige Septa und eine compacte Aussenwand, ein poröses, inneres Gerüste mit sehr unregelmässigen Zwischenlamellen, welche mit dem Gewebe von Korallen aus der Familie der Zoantharia perforata verglichen werden.