Original paper

Über die Lagerung des Unterdevons zum Silur in Thüringen.

Hermann, Loretz

Kurzfassung

Dieser Gegenstand ist bereits früher, auf der allgemeinen Versammlung zu München 1875 zur Sprache gekommen. Herr Liebe theilte damals (vergl. Sitzungsprotokoll vom 14. August. 1875) seine bezüglichen Erfahrungen aus Ostthüringen (Gegend von Gera, Ronneburg u.s.w.) mit, nach welchen die das thüringische Unterdevon zusammensetzenden Nereiten- und Tentaculiten - Schichten nebst untergeordneten Knollenkalken häufiger auf Mittel- und Untersilur auflagern, als auf ihrem eigentlichen Liegenden, dem Obersilur. Inzwischen sind die Erfahrungen des Vortragenden über diesen Punkt, welche bei seinen Aufnahmen für die geologische Specialkarte von Preussen und den thüringischen Staaten in westlicheren Gegenden gemacht wurden, hinzugekommen. Das Resultat ist folgendes. In der westlichen Gegend, wo die betreffenden Schichtengruppen ausstreichen (Blatt Steinheid der Specialkarte) ist gewöhnlich die ganze Schichtenfolge normal entwickelt, wonach das Unterdevon die "oberen Graptolithenschiefer" zum unmittelbaren Liegenden hat; nur auf kürzere Strecken fehlen diese, dann grenzt das Unterdevon an den Obersilurkalk ("Ockerkalk"), welcher das Liegende der oberen Graptolithenschiefer ist. Folgt man dem Ausstrich der Schichtenzüge weiter nach NO. (Gebiet des Blattes Spechtsbrunn), so findet man, dass das letztere Lagerungsverhältniss die Oberhand gewinnt, das Unterdevon grenzt hier auf längere Strecken an den Ockerkalk, als an die oberen Graptolithenschiefer. Ausserdem kommen hier auch directe Berührungen des Unterdevons mit Mittelsilur und mit Untersilur vor; diese Fälle, deren nicht viele sind, liegen indess im Gebiet deutlicher Lagerungsstörungen und lassen sich ohne Schwierigkeit durch Verwerfungen oder Ueberschiebungen erklären.