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Die Versuche einer Gliederung des unteren Neogen im Gebiete des Mittelmeers.

Fuchs, Theodor

Kurzfassung

Vor Kurzem erschien in dieser Zeitschrift (Bd. XXXVI, pag. 68) unter dem Titel "Die Versuche einer Gliederung des unteren Neogen in den österreichischen Ländern" ein Aufsatz von Dr. E. Tietze, in welchem der Verfasser, gestützt auf eine Benützung der vorhandenen Literatur, den Nachweis zu führen sucht, dass die bisher ziemlich allgemein angenommene Unterscheidung einer älteren und jüngeren Stufe in den mediterranen Miocaenbildungen Oesterreich-Ungarns und des Mediterrangebietes an den bisherigen Erfahrungen keinerlei verlässliche Stütze finde und dass diese Unterscheidung höchst wahrscheinlich nur auf locale habituelle Verschiedenheiten zurückzuführen sein werde. Der Aufsatz macht seiner äusseren Form nach den Eindruck grosser Umsicht, Sachlichkeit und Objectivität und wird daher, wie ich überzeugt bin, bei den der Sache ferner Stehenden seinen Zweck gewiss nicht verfehlt haben, ja ich glaube sogar, dass es in diesen Kreisen geradezu Staunen erregt haben wird, wie es denn überhaupt möglich gewesen, eine derartige Zweitheilung vorzuschlagen, wie Fachleute, welche ernst genommen sein wollen, überhaupt an einer Unterscheidung festhalten konnten, welche so gänzlich jeder Begründung entbehrt. Anders freilich wird das Urtheil jener lauten, welche in der Lage sind der Sache selbstständig auf den Grund zu gehen, und in diesen Kreisen wird das Urtheil, wie ich fürchte, ein für die Tietze'sche Arbeit nur höchst abfälliges sein können. Es ist wohl jedem Fachmann bekannt wie gefährlich es ist ein kritisches Resumé über einen so umfassenden und, wie ich gerne zugestehe, bisher so wenig geklärten Gegenstand zu geben ohne durch langjährige Beschäftigung mit demselben auch mit den Details der Sache vertraut zu sein, wie gefährlich es ist, in einem solchen Falle allgemeine Bemerkungen der Autoren zu benützen, wenn man nicht in der Lage ist dieselben nach ihrem wahren Werth zu prüfen. Jedem Fachmanne ist es bekannt, wie man in einem solchen Falle leicht die grössten, grundlegendsten Arbeiten übersieht, kleine aber entscheidende Arbeiten in ihrer Bedeutung nicht zu erkennen vermag, und wie es kaum möglich ist sich vor den gröbsten Missverständnissen zu bewahren. Alles dies ist denn auch Herrn Tietze in überreichem Maasse widerfahren; [...]