Original paper

Über die Faltenverbiegung (Torsion) niederländischer Falten durch die Druckkraft des hercynischen Systems

Lossen, K. A.

Kurzfassung

Herr K. A. Lossen gab in weiterer Ausführung seiner in der Februarsitzung dieses Jahres über die Faltenverbiegung (Torsion) niederländischer Falten durch die Druckkraft des hercynischen Systems gemachten Mittheilung eine gedrängte Uebersicht über die Eigenschaften solcher gesetzlich verzerrten Falten, indem er sich dabei der Erfahrungen vom Harze her bediente, dessen bis zur Aufpressung grosser Granit-Massive in die heutige Erosionsfläche gediehene Faltung die Verzerrungsformen in besonders scharfer Ausprägung zeigt, dem Grade nach wohl, nicht aber der Art nach verschieden von den minder stark verzerrten Falten anderer paläozoischer Kerngebirge im Westen, Süden und Osten des Harzes. Ein erstes Beispiel gab das kürzlich nach E. Kayser's geologischen Aufnahmen herausgegebene Blatt Lauterberg aus dem Südwestharz: dort hat E. Kayser durch Auffindung des Hauptquarzits in der Nähe des Diabas-führenden Lauterberger Graptolithenschiefersystems die von dem Vortragenden in der Selkemulde und bei Thale festgestellte Regel, dass die Harzer Graptolithen im Liegenden und zwar oft im unmittelbaren Liegenden des Hauptquarzits lagern, und damit zugleich den Hauptlagerort der körnigen Diabase in der oberen, aus reineren Thonschiefern bestehenden Abtheilung des Unteren Wieder Schiefers in dankenswerther Weise bestätigt. Mit dieser Regel in sichtlichem Widerspruch steht nun aber, dass die Diabaszone, welche von Königshof a. d. Sieber nach dem Hohen Feld hin streicht, hart an der Westgrenze der Königshof gegenüber untertauchenden Sattelfalte der Tanner Grauwacke einherzieht.