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Nachträgliche Mittheilungen über die Glacial- und Postglacialbildungen in Ehstland.

Schmidt, Fr.

Kurzfassung

Im verflossenen Sommer (1884) habe ich Gelegenheit gehabt, einige Beobachtungen über unsere Glacial - und Postglacialbildungen in Ehstland zu machen, die als Ergänzung zu meiner vorjährigen Mittheilung in dieser Zeitschrift (Bd. 36, pag. 246-274) dienen können. Zugleich kann ich Einiges aus dem soeben in den Verhandlungen der hiesigen mineralogischen Gesellschaft (Neue Serie Bd. 22, pag. 1-31) erschienenen Bericht von Dr. G. Holm über seine "geologischen Reisen in Ehstland, N.-Livland und im St. Petersburger Gouvernement in den Jahren 1883 und 1884" entnehmen. Dr. Holm Begleitete mich in den genannten Jahren auf dem grössten Theil meiner Excursionen und ich verdanke ihm manche Belehrung, namentlich was die Identificirung unserer ostbalfischen Glacialbildungen mit den schwedischen betrifft. In meinem Artikel hatte ich leider auf die von Dr. O. Holst in den "Geologiska föreningens in Stockholm", Förhandlingar 1876 (B. 3), pag. 97-112 entwickelte Theorie der Åsbildung keine specielle Aufmerksamkeit verwandt, und gerade diese Åstheorie ist es, die neuerdings, wie ich höre, in Schweden am meisten Anklang findet und die auch Dr. Holm in seiner eben erwähnten neuen Schrift bei der Erklärung der Åsar zu Grunde gelegt hat. Ich finde jetzt, dass sie sich auch auf den grössten Theil unserer Åsar oder Grandrücken vortrefflich verwenden lässt. Holst schliesst sich in seiner Theorie wesentlich an die frühere Törnebohm'sche Erosionstheorie an, mit dem Unterschiede, dass er statt der "mächtigen, nach dem Rückgang des Eises zurückgebliebenen Sand- und Schlammablagerungen" der letzteren das mit Moränenmaterial erfüllte Inlandeis selbst die Grundlage sein lässt, aus welcher die Åsar als Kiesablagerungen von Gletscherströmen gebildet wurden.