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Über südalpine Kreideablagerungen.

Boehm, Georg

Kurzfassung

Die südalpinen Kreideablagerungen östlich vom Gardasee zeigen, wie man aus der geologischen Uebersichtskarte der österreichischen Monarchie, Blatt V. ersehen kann, zwei wesentlich verschiedene Ausbildungsweisen. Westlich vom Piave, in den veroneser und vicentinischen Alpen, beobachtet man als unterstes Glied der Kreide den Biancone, welcher sich durch seine Petrefacten - Ammonites Astierianus, inaequalicostatus, Juillietti, Crioceras Duvali etc. - in der Hauptsache als Neocom erweist. Ueber dem Biancone folgen unmittelbar die Kalke der Scaglia mit Stenonia tuberculata, Cordiaster italicus, Ananchytes concava, Inoceramus Cuvieri. Hiermit schliessen die cretaceischen Bildungen ab; die Scaglia wird vom Tertiär überlagert. Anders liegen die Verhältnisse östlich vom Piave. Dort fehlt im Allgemeinen der Biancone mit seinen charakteristischen Versteinerungen. An seiner Stelle ist eine Rudistenfacies entwickelt. Letztere vertritt nicht nur den Biancone, sondern auch höhere Horizonte und erlangt in den östlichen Alpenländern und in Dalmatien eine mächtige Entwickelung. In diesem Gebiete ist häufig die Scaglia nicht ausgebildet. Alsdann wird die Rudistenfacies unmittelbar vom Eocän bedeckt. Im Bellunesischen dagegen finden sich über der Rudistenfacies leicht kenntliche Mergelschiefer, welche zur Scaglia gerechnet werden und ihrerseits vom Tertiär überlagert sind. Diese rothen, seltener lichten Mergelschiefer sind mehr oder weniger kalkig und meist so dünnplattig, dass sie zum Dachdecken verwendet werden. Daneben finden sich auch dickbänkige Partieen, welche gute Werksteine liefern. Trotz zahlreicher und guter Aufschlüsse habe ich in diesen charakteristischen Schichten niemals Versteinerungen finden können.