Original paper

Aus dem Gebiet des alten Isargletschers und des alten Linthgletschers.

Heim, Albert; Penck, Albrecht

Kurzfassung

Um über die Frage nach dem Verhältniss der Gletscher zur Seebildung unsere Ansichten austauschen und abklären zu können, haben wir im August 1885 eine mehrtägige gemeinsame Excursion in Oberbayern im Gebiet von Ammersee, Würmsee, Staffelsee und Riegsee ausgeführt, und später, im Monat September die Ufer des Zürichsees gemeinsam begangen, theilweise begleitet von den Herren Dr. K. J. V. Steenstrup aus Kopenhagen, Dr. A. Wettstein aus Zürich und Dr. Ed. Brückner z. Z. in Hamburg. Wir haben sowohl über das thatsächlich Beobachtete als auch über die daran sich knüpfenden Besprechungen ein kurzes Protokoll verfasst, das wir hier mittheilen: I. Die Gliederung der Quartärbildungen im Gebiet der bayerischen Vorlandsseeen. Im oberbayerischen Seegebiete bildet überall der Flinz (Obermiocaene Thone, Mergel und thonige Sandsteine) die Grundlage, auf welcher die nachfolgend kurz charakterisirten Quartärbildungen folgen: a. Fast ebenflächig, sanft gegen S. und SW. ansteigend, in auffallender Gleichförmigkeit eine Nagelfluhdecke von ca. 20 bis 30 m Mächtigkeit. Dieselbe besteht aus Kalk- und Dolomitgeröllen und enthält nur sehr wenig Urgebirgsgeschiebe. Das Material ist ziemlich gleichförmig gerundet und calcitisch cementirt. Hohle Geschiebe und ausgelaugte Gerölle sind häufig. b. Von dieser diluvialen Nagelfluh ("Deckenschotter") ist wohl zu unterscheiden eine in der Geröllgrösse unregelmässigere Kiesbildung ("unterer Glacialschotter" Penck, die Vergletscherung etc. pag. 142), welche fast durchweg weit reicher an Urgebirgsgeröllen, nur selten zur Nagelfluh verkittet ist, keine hohlen Geschiebe enthält, aber hie und da gerollte Brocken, aus der oben unter a erwähnten diluvialen Nagelfluh einschliesst.