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Studien zur Geologie des Golfes von Neapel.

Walther, Johannes; Schirlitz, Paul

Kurzfassung

1. Der Bau des Golfes. Der tektonische Bau des Golfes von Neapel ist das Resultat zweier Hauptstörungs-Perioden, welche historisch und topographisch unterschieden Werden müssen. Die Halbinsel von Sorrent bietet den Schlüssel für die Auflösung derselben. Es muss auffallen, dass sich der genannte Landrücken senkrecht abzweigt von dem allgemeinen NW.-SO.-Streichen der Apenninkette. Allein diese Ausnahme ist nur eine scheinbare; denn bei eingehenderem Studium finden wir auch die Halbinsel von Sorrent in der Richtung der "apenninischen Dislocation" (NW.-SO.) gebrochen. Die Topographie der Bocca piccola, jener Meerenge zwischen Capri und der Halbinsel lehrt, dass eine submarine Landbrücke beide verbindet, und das Thier- und Pflanzenleben auf derselben spricht für felsigen Untergrund. Auch der geologische Bau der Insel selbst ist so übereinstimmend mit dem der Sorrentiner Halbinsel, dass wir guten Grund haben, im Folgenden Capri als zum Festland gehörig zu betrachten und beide gemeinsam zu behandeln. Der zu besprechende Landrücken besteht seiner Hauptmasse nach aus einem sehr dichten Kalkstein, dem sogenannten Apennin-Kalk. Er baut sich auf aus meist wohlgeschichteten Kalkbänken von wechselnder Höhe. An vielen Punkten sind dieselben kaum einen Meter dick, an anderen Stellen sieht man Bänke von 80 m Mächtigkeit. Eine solche mächtige Kalkbank theilt bei Positano die ganze Schichtenserie in zwei Hälften und verläuft nach Westen bis zum Ende des Landrückens. Als ihre Fortsetzung jenseits der Bocca piccola darf man die Insel Capri betrachten, welche sich als eine ungeschichtete Kalkmasse aus dem Meere bis zu 600 m erhebt.