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Die lössartigen Bildungen am Rande des norddeutschen Flachlandes.

Wahnschaffe, Felix

Kurzfassung

Was ist Löss und wie ist derselbe entstanden? - Mit diesen Fragen haben sich die Geologen schon vielfach eingehend beschäftigt, und obwohl bereits eine Anzahl sorgfältiger Untersuchungen vorliegen, sind doch die Ansichten der einzelnen Forscher über diesen Gegenstand gegenwärtig noch immer sehr getheilt. Es liegt dies daran, dass der Löss weder aus seiner eigenthümlichen Structur und Zusammensetzung, noch aus seiner besonderen Lagerung und Verbreitung seine Entstehungsgeschichte ohne Weiteres erkennen lässt, so dass in Folge dessen die verschiedenartigsten Erklärungsversuche gemacht worden sind. Es dürfte daher noch immer von Interesse sein, diesen Fragen etwas näher zu treten und dieselben speciell im Hinblick auf die lössartigen Bildungen am Rande des norddeutschen Flachlandes zu beleuchten. Der Name Löss ist bekanntlich zuerst auf gewisse Bildungen im Rheinthal angewandt worden, und seit der Zeit hat man diese stets als einen Typus von echtem Löss angesehen. Obgleich schon seit 1832 verschiedene Hypothesen über seine Bildung aufgestellt waren, hat doch erst Alexander Braun diese Ablagerung genauer untersucht und durch Bestimmung der darin vorkommenden Conchylienschaalen nachgewiesen, dass die meisten derselben, sowohl der Art als der Zahl nach, Landschnecken angehörten und zwar zum Theil solchen, "welche jetzt feuchte und kühle Gebirgsgegenden zu ihrem Aufenthalte vorziehen, und von denen mehrere gegenwärtig in den Alpen bis zur Schneegrenze vorkommen, wogegen die Arten, welche jetzt die wärmeren Hügel und Ebenen des Rheinthales bevölkern, sowie die Wasserschnecken der Ebene, im Löss insgesammt fehlen."