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Beiträge zur chemischen Kenntniss des Vesuvians.

Rammelsberg, C.

Kurzfassung

Die Erforschung der chemischen Natur des Vesuvians hat eine lange Zeit hindurch nur zu sehr unsicheren Resultaten geführt. Auf Grund der älteren Arbeiten von Klaproth, Karsten und v. Kobell blieb es zweifelhaft, ob er dem Granat gleich sei, und selbst Magnus's Analysen im Jahre 1831 brachten die Entscheidung nicht. Hermann suchte 1848 zuerst den Oxydationsgrad des Eisens zu bestimmen und zu zeigen, dass hauptsächlich Oxyd vorhanden sei, allein seine aus drei Analysen sibirischer Vesuviane abgeleitete Formel ist nicht richtig. Nachdem Fuchs schon längst gefunden hatte, dass der Vesuvian nach dem Glühen von Säuren leicht zersetzt wird, und Magnus die Verminderung des V.-G. nach dem Schmelzen beobachtet hatte, bewies ich 1855, dass alle Vesuviane hierbei einen hauptsächlich in Wasser bestehenden Gewichtsverlust bis zu 3 pCt. erleiden, trug aber dieser Erscheinung bei meinen Analysen von 11 Abänderungen nicht weiter Rechnung. Magnus bestätigte diese Thatsache und auch Scheerer erhielt dasselbe Resultat. In Folge dessen theilte ich 1873 eine neue Reihe von Vesuvian-Analysen mit, bestimmte die kleinen Mengen Kalium und Natrium, welche sie enthalten, und versuchte, den Wasserstoff diesen hinzurechnend, eine Formel für den Vesuvian zu finden. Nach meiner Ansicht wäre der Vesuvian eine Verbindung von 1 Mol. Drittelsilicat und 4 Mol. Halbsilicat. In neuerer Zeit haben v. Lasaulx und Ludwig einige Analysen geliefert, und Jannasch hat in mehreren Abänderungen etwas Fluor, im Vesuvian von Wilui aber einen Gehalt von Bor nachgewiesen. Dies veranlasste mich, vor kurzem den genannten und den Vesuvian von Ala von neuem vorzunehmen und die Formeln der einzelnen genauer zu ermitteln.