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Zur Geologie von Nowaja Semlja.

Wichmann, Arthur

Kurzfassung

Die Forschungsreisen nach dem nördlichen Eismeere, welche im vorigen Jahrzehnt einen so gewaltigen Aufschwung nahmen und in der Nordenskiöld'schen Vega-Expedition ihren grössten Erfolg erreichten, sind in diesem Augenblicke zum Stillstand gekommen. Hatte nun keine derselben sich die specielle Untersuchung von Nowaja Semlja als Ziel gesteckt, so haben sie dennoch unsere Kenntniss von dieser Doppelinsel auch in geologischer Beziehung wesentlich bereichert. Unter diesen Umständen erschien es angemessen, die in den verschiedenen Reiseberichten zerstreuten Mittheilungen zu sammeln und übersichtlich zusammenzustellen. Eine Veranlassung hierfür lag umsomehr vor, als ich Gelegenheit hatte, eine Reihe von Gesteinen zu untersuchen, welche Prof. Dr. Max Weber in Amsterdam auf der Expedition des "Willem Barents" im Jahre 1881 gesammelt und unserem Museum geschenkt hatte; ebenfalls war es mir ermöglicht worden, einige der von Dr. Waelchli in Bern auf der im Jahre 1883 ausgeführten Expedition gesammelten Gesteine einer Durchsicht unterziehen zu können. Die ersten geologischen Notizen über Nowaja Semlja hat Ludlow (1807) geliefert. Seine Mittheilungen beschränken sich auf das Folgende: Die Meschduscharsky-Insel (am Kostin Scharr) besteht aus mit Moorboden bedecktem Schiefer; die "weissen Inseln" (in der Rogatschew-Bucht) stellen völlig entblösste Gypsfelsen dar, auf einer derselben befindet sich ein Salzsee; in der Silberbucht wurde Bleiglanz, Talkschiefer und Glimmer gefunden; aus der Umgebung des Matotschkin Scharr wird versteinertes Holz erwähnt. Ludlow ist endlich der Urheber jener Behauptung, welche zu vielfachen Discussionen Anlass gegeben hat, dass Nowaja Semlja nicht als Fortsetzung des Ural betrachtet werden dürfe, "denn die Südhälfte der Insel sei völlig eben und die Berge beginnen auf ihr nicht südlich von 75° N. Br., auch sei ihr Streichen von O. nach W., das des Ural von SW. nach NO."