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Die Stegocephalen aus dem Rothliegenden des Plauen'schen Grundes bei Dresden.

Credner, Hermann

Kurzfassung

Sechster Theil XI. Die Entwicklungsgeschichte von Branchiosaurus amblystomus Cred. Historische Einleitung. Im Jahre 1881 beschrieb ich den häufigsten Vertreter der Stegocephalen-Fauna aus dem Rothliegend-Kalke des Plauen'schen Grundes bei Dresden, einen kleinen, nackten, Kiemen tragenden Lurch als Branchiosaurus gracilis und noch in demselben Jahre einen grösseren, mit einem ventralen Schuppenkleide versehenen Repräsentanten des nämlichen Geschlechts als Branchiosaurus amblystomus. Schon damals wurde die Vermuthung ausgesprochen, dass in diesen beiden Formen keine zwei selbstständige Species, sondern nur verschieden alterige Stadien der Entwicklungsgeschichte ein und desselben Schuppenlurches zur Ueberlieferung gelangt seien, - dass mit anderen Worten Br. gracilis als die im Wasser lebende, durch Kiemen athmende Larve des reifen, Land-bewohnenden, deshalb Luft-athmenden und beschuppten Br. amblystomus anzusprechen sei. Unterdessen hat sich unsere Sammlung von sächsischen Stegocephalen um viele Hunderte von Branchiosaurus-Resten vermehrt, deren Gesammtheit die frühere Vermuthung zur Gewissheit erhob. Bereits im Jahre 1884 konnte ich die Hauptresultate meiner auf die Entwicklungsgeschichte von Branchiosaurus amblyttomus bezüglichen Untersuchungen den in Hannover versammelten Deutschen Geologen vortragen und dieselben an einer zu diesem Zwecke ausgewählten Suite erläutern. Zu einer noch vollständigeren Repräsentation gelangte unser Branchiosaurus-Material bei Gelegenheit des internationalen Geologen-Congresses zu Berlin im Jahre 1885 durch die Ausstellung von 76 Exemplaren. Ihnen wurde ein beschreibender Katalog beigegeben, und diesem die Darstellung der wesentlichsten Vorgänge, die sich in der Entwicklungsgeschichte von Br. gracilis und Br. amblystomus abspielen, in kurz gefassten Sätzen vorangeschickt. Heute liegen in reichhaltigen Suiten vollständiger Skelette, sowie in solchen einzelner Skelettabschnitte alle Stadien der Entwicklungsgeschichte dieses Schuppenlurches vor uns und den nachstehenden Schilderungen und Abbildungen zu Grunde und führen die Uebergänge von den kleinsten Larven bis zu den ausgewachsenen reifen Individuen in continuirlichen Reihen vor Augen. Die Werthschätzung derselben steigt, wenn man sich erinnert, dass hier die Reste eines der ältesten Lurche und zugleich eines der ersten sich des Besitzes eines knöchernen Skelettes erfreuenden Wirbelthieres vorliegen, welches die Erde erzeugt hat.