Original paper

Über das Vorkommen fossiler Crocodiliden in den Wealdenbildungen Norddeutschlands und über die Systematik der mesozoischen Crocodiliden.

Ernst, Koken

Kurzfassung

Die untersuchten Reste stammen sämmtlich aus dem Hastingssand (= Strückmann's mittlelerem Wealden) der Gegend von Bückeburg und Obernkirchen. Obwohl die petrographische Beschaffenheit und die Mächtigkeit der Schichten eine wenig gleichmässige ist, wie aus zahlreichen Bohrprofilen hervorgeht, so kann man doch im Allgemeinen zwei Glieder der Formation unterscheiden, einen oberen Sandsteincomplex, mit schwachen Kohlenflötzen, und einen unteren Horizont, welcher das Hauptkohlenflötz enthält. Dieses letztere wird durch eine bis 1 Meter mächtige Schieferthonplatte (die "Dachplatte") von den Sandsteinen geschieden und zerfällt häufig in zwei durch ein Bergmittel getrennte Flötze. Da dort, wo nur ein Kohlenflötz entwickelt ist, dieses Bergmittel als Liegendes des mittleren Wealden auftritt, darf man es als einen constanten Horizont ansehen. Zuweilen sind die untersten Schichten durch Conglomerate vertreten, wie am Steinkruge (Deister). Die oberen Sandsteine, welche eine Mächtigkeit von 15 m erreichen, werden als vorzügliches Baumaterial in ausgedehnten Brüchen am Bückeberge, früher auch am Harrl, der westlichen Fortsetzung desselben, gewonnen und lieferten die von H. Von Meyer beschriebenen Reste von Macrorhynchus Meyeri, Pholidosaurus Schaumburgensis und Stenopelix valdensis; neuerdings sind sie bekannt geworden durch die Auffindung schöner Fussspuren von Dinosauriern, welche sich auf den mit Wellenmarken bedeckten Schichtflächen oft sehr deutlich verfolgen lassen. Aus denselben Sandsteinen stammen die vom Vortragenden in einer demnächst in den von W. Dames und E. Kayser herausgegebenen Paläontologischen Abhandlungen zu veröffentlichenden Arbeit beschriebenen Schädel und andere Theile von Macrorhynchen, ferner Reste von Plesiosaurus Degenhardti n. sp.