Original paper

Über die Entstehung der Rheinebene zwischen Darmstadt und Mainz

Richard, Lepsius

Kurzfassung

Die geologische Zusammensetzung des Grossherzogthums Hessen ist verhältnissmässig zur Grosse unseres Landes eine sehr mannichfaltige: hier bei uns am Mittelrhein treffen die beiden grossen Gebirgs-Systeme des Ober- und Niederrheines in höchst eigentümlicher Weise zusammen, es endigt hier die 40 Meilen lange, 4-Meilen breite Oberrheinische Tiefebene, welche mit den über 175 m mächtigen diluvialen Rheinanschwemmungen ausgefüllt ist. Am östlichen Rande dieser Ebene steigt die Bergstrasse an; sie besteht aus dem krystalumschen Grundgebirge, welches die nördliche Fortsetzung desjenigen des Schwarzwaldes ist; mantelförmig lagern sich rings um diesen granitischen Kern des Odenwaldes die flach ausgebreiteten Tafeln des Rothliegenden und Bunten Sandsteins. Jenseits des Rheines wird unsere fruchtbare Provinz Rheinhessen erfüllt von den tertiären Schichten des Mainzer Beckens. Die Provinz Oberhessen wird zum grössten Theile von den über.40 Quadratmeilen ausgedehnten Balsalt-Laven des Vogelsberges gebildet, welche die tertiären Ablagerungen der Wetterau überdecken. Westlich über der Wetterau stehen die Ausläufer des niederrheinischen devonischen Schiefergebirges; östlich ziehen die Triasstufen aus dem hinteren Odenwalde durch den Spessart nach Oberhessen hinein. In Folge dieser mannichfaltigen Zusammensetzung des Bodens ist die geologische Erforschung unseres Landes stets eine sehr rege gewesen. Wir verdanken die erste geologische Untersuchung unseres Landes dem Herrn Prof. Von Klipstein, welcher als junger Gelehrter im Auftrage der grossherzoglichen Staatsregierung Ende der zwanziger und Anfang der dreissiger Jahre das ganze Land bereiste; der Erfolg dieser ersten Untersuchung bestand in drei Uebersichtskarten der drei Provinzen und in einer grossen Gesteinssammlung, welche noch heute einen werthvollen Theil der Sammlungen unseres Museumus ausmacht.