Original paper

Über den Skelettres, von Offenbach (und zwar aus 190 m Tiefe).

Credner, Hermann

Kurzfassung

Neben einigen schlecht erhaltenen Knochenplatten der Schädeldecke zeigt das Gestein das Fragment eines Kiefers, und zwar augenscheinlich das Vorderende eines Unterkiefers. Dasselbe trägt auf seinem oberen Rande 6 ziemlch vollständige Zähne und hinter diesen noch 2 Zahnstümpfe, - alle mit dem Dentale fest verwachsen. Die Zähne sind spitzconisch, - an der Spitze schwach nach hinten gebogen, - auf der Oberfläche zart längsgerieft. Längs- und Schrägschnitte dieser Zähne und Querbrüche einiger isolirt im Gestein liegender Exemplare lassen erkennen, dass dieselben eine mächtige Pulphöhle besassen, und dass die den Mantel bildende Zahnsubstanz in den unteren zwei Dritteln oder drei Vierteln der Zähne nach Innen gefaltet, am oberen Zahnende aber innen glatt ist. Darin sowie in der festen Verwachsung der Zähne mit dem Dentale ähneln dieselben in hohem Grade solchen von Archegosaurus und von Pelosaurus. Der Umstand, dass die neben dem beschriebenen Kiefer liegend Fragmente von Schädeldeckknochen eine deutlicher ausgeprägte Gruben- und Radiärsculptur aufweisen, als sie bei Pelosaurus zu finden ist, macht es wahrscheinlich, dass wir Archegosaurus-Reste vor uns haben. Das Vorkommen derselben in den tiefsten Rothliegend-Schichten des Offenbacher Bohrloches weist auf die Zugehörigkeit der letzteren zum Mittel-Rothliegenden hin, wie solches bereits Herr Tecklenburg in seinem gestrigen Vortrage angenommen hat. Im Anschluss an diese Erörterungen wies Vortragender auf hin, dass die Resultate der von ihm seit mehreren Jahren angestellten Untersuchungen über die Entwicklungsgeschichte von Branchiosaurus amblystomus aus dem Mittel-Rothliegenden des Plauen'schen Grundes in kürzester Frist in der Zeitschrift unserer Gesellschaft erscheinen werden. Die Fülle des in dieser Publication enthaltenen Detailmateriales über die Entwicklung der einzelnen Skelettabschnitte, ja einzelner Knochen ist zu beträchlich, um von grösseren Kreisen der Fachgenossen mit Interesse verfolgt zu werden. Deshalb möge es gestattet sein, die allgemeine Aufmerksamkeit wenigstens auf einen Punkt zu lenken, der diese gewiss verdient. Es ist dies die Deutung des Zweckes, welchem das Foramen parietale gedient hat.