Original paper

Über merkwürdige Contacterscheinungen zwischen zwei Eruptivgesteinen aus dem sächsischen Erzgebirge.

Sauer, Adolf

Kurzfassung

Im Osten von Freiberg wird das Gneissgebirge von einem mächtigen Granitstocke durchsetzt, welcher nach der auf demselben liegenden Ortschaft als Bobritzscher Granitstock bezeichnet werden kann. Das lichtgraue, mittelkörnige, durch grössere Feldspäthe bisweilen porphyrische Gestein ist seiner näheren Zusammensetzung zufolge als ein Oligoklas-Granitit zu bezeichnen, welcher sich sowohl durch diesen seinen beträchtlichen Oligoklasgehalt, als auch durch Führung zahlreicher endogener Einschlüsse von Hornblende-Augit-Granit den Lausitzer Graniten eng anschliesst, von den als Plagioklas fast ausschliesslich Albit-führenden Gesteinen der westsächsischen Granitterritorien sich dagegen sehr scharf unterscheidet. Nahe bei dem Orte Bobritzsch wird der Granit von einem schwärzlich-grünen, dichten Eruptivgesteine durchsetzt, welches, soweit sein nicht gerade guter Erhaltungszustand eine nähere Bestimmung zulässt, den dichten Augitsyeniten zuzuzählen ist. Das Aufsetzen dieses Gesteines im Granite erfolgt nun nicht in Form eines compacten Ganges, sondern nach der Art einer mehr oder minder innigen Imprägnation. Der Syenit umschliesst zahllose kleinere und grössere Fragmente von Granit, durchzieht ihn in unendlich feinen und zahlreichen Trümerchen und bewirkt schliesslich bis zu einer gewissen Entfernung in den Granit hinein eine vollkommene Zertheilung seiner Masse. Bei dieser Imprägnation mit Syenitmagma wurde die Granitmasse stellenweise, wie es scheint, in eine Art plastischen Zustandes übergeführt, es wurden die Granitbestandtheile gegenseitig verschiebbar, so dass eine Umformung zu einem Granitgestein mit deutlich fluidaler Structur stattfand; demselben Vorgange zufolge finden wir andere Granitpartieen schweifartig in den Syenit hinein ausgezogen, und weiter lässt sich eine immer stärkere Auflockerung und Zertheilung der Granitmasse in dem Syenit in allen Stadien verfolgen bis zu jenem Extrem, wo die Granit-Quarze und -Feldspäthe nur noch ganz vereinzelte fremde Einsprenglinge in der Syenitmasse darstellen.