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Über Lössvorkommen in der Umgebung von Bern

Baltzer, Armin

Kurzfassung

Herr A. Baltzer machte Mittheilungen über Lössvorkommen in der Umgebung von Bern, welch letztere z. Th. älter sein dürften als der deutsche jungdiluviale Löss. Dieser wird nunmehr wohl von der Mehrzahl der Geologen als Absatz eiszeitlicher Hochfluthen betrachtet und seine Bildung an das Ende der Glacialzeit gesetzt. Eine Ueberlagerung durch Erraticum wurde in Deutschland nirgends beobachtet. Wenn aber mehrere Eiszeiten existirten, so ist nicht einzusehen, warum nicht bei jedem grösseren Rückgang des Eises, welchem ja gesteigerte Wassermengen der Flüsse entsprechen mussten, Löss entstanden wäre. Jeder Interglacialzeit könnteein Lössabsatz entsprechen, wie dies in der That schon von Penck vermuthungsweise ausgesprochen wurde. Hierfür dürften die Lössabsätze bei Bern einen Beleg bilden. Bisher war Löss in der Schweiz nur aus dem St. Gallischen Rheinthal, von Basel, von Aarau bekannt geworden; in grösserer Nähe der Alpen sollte er fehlen, eine Behauptung, die durch die 7 Lössstellen bei Bern widerlegt wird. Dieser Löss ist fein lehmig, unten sandiger, enthält die bekannten Kalk-Concretionen, bildet ungeschichtete Steilwände und wird z. Th. zu Backsteinen verwendet. Er zerfällt, wenn man ihn in Wasser legt, zu Pulver. Vom deutschen Löss ist er durch weisslichere Farbe, geringeren Sandgehalt und häufigere Tuffeinlagerungen unterschieden. Schnecken sind äusserst zahlreich, darunter die gewöhnlichsten Lössformen: Helix arbustorum, Succinea oblonga, Helix hispida und Pupa muscorum. Die zwei letzteren Arten sind weniger häufig. H. hispida scheint durch die verwandten und häufigen Arten H. sericea und H. plebeja vertreten zu sein. Häufig kommen Hyalinen vor. Charakteristisch ist die Patula ruderata (jetzt im Simmenthal selten) und andere alpine jetzt nur in grösseren Höhen (1500 bis 2100 m) auftretende Formen. Für einige dieser Lössvorkommen lässt sich nun mit ziemlicher Sicherheit der Nachweis erbringen, dass sie nicht jungglaciale, sondern interglaciale, vielleicht sogar der ersten Eiszeit angehörige Bildungen sind.