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Exkursionen zur Hauptversammlung 1886 in Damstadt

Richard, Lepsius

Kurzfassung

Die Excursionen, welche die Theilnehmer der Versammlung von Darmstadt aus unternahmen, waren die folgenden. Am Dienstag Nachmittag wurde das Mühlthal bei Eberstadt an der Bergstrasse besucht; in diesem engen Querthal, welches die längs der Rheinebene sich erhebende Bergkette nördlich des Frankensteines durchbricht, wurden in zahlreichen Steinbrüchen besichtigt: die Hornblende-Plagioklas-Gesteine in dioritischer Ausbildung, durchsetzt von rothen Ganggraniten und granitischen Mineralgängen; im Steinbruch am kühlen Grunde der Uebergang von Diorit in Gabbro; in der Mordach Granitporphyr gangförmig in den dioritischen Hornblende-Gesteinen; auf dem Bohnstadt-Berg die Verwitterungsart des Gabbro's und Ganggranite im Gabbro. Am letztgenannten Berge wurde endlich auch in den Hohlwegen typischer Löss mit den bekannten Löss-Schnecken zur Kenntniss genommen. Der Mittwoch-Nachmittag führte die Gesellschaft in die nächste Umgegend von Darmstadt. Zunächst südlich der Stadt erschliessen grosse Grus-Gruben den grobkörnigen Granit, auf welchem der obere Stadttheil gebaut ist. Am Waldrande stösst die Granitplatte ab an Augit-Plagioklas-Gesteinen in Diabas-artiger Ausbildung, welchen weiter südlich die Diorit-und Gabbro-Gesteine, wie im Mühlthale, folgen. Im Steinbruch am Bellenfallthor ist grauer, grobkörniger, Glimmer-armer Granit mit jüngeren rothen Ganggraniten aufgeschlossen; im Granit sind mehrere Schichtenlagen von grünen, verwitterten Hornblende-Schiefern eingeklemmt. (Dieser Steinbruch ist abgebildet von R. Lepsius im Notizblatt des Vereins für Erdkunde zu Darmstadt etc., IV. Folge, 2. Heft. Darmstadt 1881.) Nahe bei und südlich der Granitgrenze zeigt der Herrgottsberg Aufschlüsse im Uralit-Diabas; diesem Gestein ist eingelagert eine grosse Scholle von Adinol-artigen Quarzit-Schiefern mit Hälleflinta-ähnlicher Bänderung (64-72 pCt. SiO2 bei nur 0,4 bis 0,7 pCt. Alkalien, leichter schmelzbar als Hälleflinta), sowie grobkörniger Marmor mit einer breiten Zone von Epidot- und Granatfels.