Original paper

Ueber das Alter einiger Theile der südamericanischen Anden.

Ochsenius, Carl

Kurzfassung

In einem während der letzten Versammlung von Naturforschem und Aerzten in Berlin gehaltenem Vortrage über "Unsere jetzige Kenntniss vorgeschichtlicher Samen" sagt Wittmack, dass nach den neueren Pflanzenfunden in den altperuanischen Gräbern diese höchstens 500 Jahre alt sein könnten. Diese Behauptung ist nicht nur interessant für den Botaniker, Geographen, Historiker und Archäologen, sondern auch für den Geologen, weil sie (sogar in der Form eines Multiplums der beanspruchten fünf Centennien) im Verein mit anderen Thatsachen ein überraschendes Licht auf das Alter der peruanischen Anden wirft, indem dasselbe hiernach bedeutend geringer zu sein scheint, als man bisher angenommen hat. Möge mir gestattet sein, dieses hier kurz zu erläutern. Schon meine Untersuchungen über die Bildung des nur in Tarapacá und Atacama an der südamericanischen Westküste sich findenden Natronsalpeters drängten mir die Ueber zeugung auf, dass die salinischen Lösungen (Mutterlaugensalze mit Natriumcarbonat), die dort in Verbindung mit eingewehtem Küstenguano das Material für jenes Nitrat geliefert haben, erst vor verhältnissmässig kurzer Zeit aus den Cordilleren, die ja in ihrem ganzen Verlaufe immense Steinsalzflötze in grosser Höhe bergen, nach Osten und Westen herabgeflossen sein konnten. Offenbar sind die in vormaligen, mit Barrenverschluss versehenen Meeresbuchten niedergeschlagenen Salzflötze später auf jene Höhen gehoben worden und haben dann die flüssigen Beste von Mutterlaugen, die über ihnen stagnirten, nach den Abhängen hin entlassen. Nun erscheinen solche in den tieferen Horizonten auf oder nahe unter der Erdoberfläche in Mulden. Hie und da kommt unter dem Nitrat ackerbauwürdige Dammerde zu Tage, welche nach dem Blosslegen benutzt wird. Solche Salpeterdecken sind jedenfalls sehr jung, und andern auf Salz- oder Felsboden lagernden wahrscheinlich nicht viel älter.