Original paper

Voltzia Krappitzensis nov. spec. aus dem Muschelkalke Oberschlesiens.

Kunisch, H.

Kurzfassung

Der Muschelkalk ist im Vergleich zu der ihm vorangehenden Schichtenfolge des bunten Sandsteins und den ihm nachfolgenden Ablagerungen des Keupers sehr arm an pflanzlichen Einschlüssen. Dies gilt nicht bloss in Bezug auf die Anzahl der verschiedenen Arten, sondern auch hinsichtlich der Massenhaftigkeit in ihrer Verbreitung. Auf Grund der Arbeiten von Brongniart, Schimper und Mougeot, Catullo, Schleiden, Göppert, v. Schauroth, Massalongo und De Zigno liessen sich im Muschelkalk höchstens zwölf Arten unterscheiden. Letztere wurden im Jahre 1868 von Schenk im Anschluss an die Betrachtung "Ueber die Pflanzenreste des Muschelkalkes von Recoaro" kritisch behandelt und auf sieben reducirt. Diese sieben Pflanzen sind sonderbarer Weise sämmtlich Landpflanzen. Dass die Landpflanzen in dem Muschelkalke äusserst sparsam eingebettet sind, kann nicht Wunder nehmen, wenn man erwägt, dass derselbe fast ausnahmlos ehemaliger Meeresboden ist. Unter diesen sieben Landpflanzen finden sich eine Farn-Art und eine Equisetacee, während die übrigen fünf den Coniferen zugehören. Aus dem Muschelkalke Oberschlesiens, welcher sich mit einem über 10 Meilen langen und 1-3 Meilen breiten, flachen Rücken von Krappitz an der Oder aus fast ununterbrochen bis Gross-Strehlitz und mit einigen Unterbrechungen über Tarnowitz und Beuthen bis nach Olkusz in Russisch-Polen erstreckt, war bis zum Jahre 1881 kein Coniferenrest, überhaupt kein unbezweifelbarer Pflanzenrest bekannt geworden. Im Sommer des genannten Jahres fand ich in dem Kalksteinbruche des Herrn Kluczny zu Krappitz, welcher dem von Eck als Schichten von Chorzow bezeichneten Niveau des oberschlesischen Muschelkalks angehört, einen versteinerten Pflanzenrest, welchen ich bald als zu den Coniferen gehörig erkannte. Er wurde im Januar 1883 der naturwissenschaftlichen Section der schlesischen Gesellschaft für vaterländische Cultur zu Breslau unter dem Namen Voltzia Krappitzensis vorgelegt. Von der baldigen genaueren Beschreibung des Petrefacts wurde wegen seiner mangelhaften Erhaltung und besonders, weil das grosse Interesse der Herren Kluczny Vater und Sohn für die organischen Einschlüsse ihrer Steinbrüche Hoffnung auf die Erreichung besser erhaltenen Materiales bot, Abstand genommen. Seit jener Zeit sind zwar mehrfach kohlige Reste bröcklicher Beschaffenheit, nicht aber wohlerhaltene pflanzliche Petrefacten gefördert worden. Deshalb will ich die eingehendere Behandlung meines Fundes nicht länger aufschieben.