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Archaeocyathus in russischem Silur?

Schlüter, Clemens

Kurzfassung

Die fossilen Reste, welche die Frage veranlassen, ob in russischem Silur die Gattung Archaeocyathus vertreten sei, stellen der äusseren Erscheinung nach cylindrische, an einem Ende verjüngte, bisweilen leicht gebogene Körper dar, etwa von der Dicke einer Rabenfeder und der Länge eines halben Zolles oder mehr, welche einige vorliegende Gesteinsstücke dicht gedrängt erfüllen. Da sie von einem am dickeren Ende mündenden centralen Hohlraume oder Canale durchzogen sind, erinnern sie, herausgewittert, mit ihrer rauhen Oberfläche an gewisse Spongien aus dem Hils oder der Tourtia, vom Habitus der alten Scyphia furcata oder clavata, und besonders bei ihrem geselligen Vorkommen an die Gyroporellen und Diploporen alpiner Triaskalke. Versucht man diese Körper näher zu betrachten, so erweisen sie sich aus grobkörnigem Kalkspath gebildet, der beim Durchbrechen derselben bisweilen einen so vollkommenen Blätterdurchgang zeigt, wie ein Seeigel-Stachel; bei angewitterten Stücken auch - besonders im Querbruche - sich radial-strahlich erweist und anfänglich das Auffinden jeder organischen Spur verweigert. Die bald engere, bald weitere Centralhöhle ist entweder von Gebirgsmasse oder von Kalkspath ausgefüllt. Die Aussenseite zeigt bisweilen kurze, ein- oder vorspringende runde Querfalten. Als ich von einem dieser schon vor Jahren gesammelten untersilurischen Gesteinsstücken kürzlich einen Dünnschliff herstellte, boten die theils im Längs-, theils im Querschnitte getroffenen Körper lediglich fast wasserhellen Kalkspath dar, der durch die Form seiner Umgrenzung das Bild der quer, längs oder schräg durchschnittenen "Säulen" eines Receptaculiten (von Oberkunzendorf) wachrief. Unter der Lupe zeigte sich alsbald eine Verschiedenheit, indem erstere eine Erscheinung darboten, welche einen näheren Hinweis auf organischen Ursprungs gab.