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Über die verschiedene Bedeutung, welche dem Worte Palatinit von den Petrographen beigelegt worden ist, und über seine Stellung zur Melaphyr-Frage.

Lossen, K. A.

Kurzfassung

Der von Laspeyres, welcher den Begriff zuerst aufgestellt hat, quantitativ analysirte und beschriebene, aber nicht mikroskopisch untersuchte Palatinit von Norheim an der Nahe ist zwar kein Gabbro aus der Zeit des Rothliegenden, wie jener Autor annahm, denn er enthält keinen Diallag, sondern nur einen monoklinen Augit mit doppelter, prismatischer und pinakoidaler Spaltbarkeit; er ist aber ein voll- und deutlich- (holo- und phauero-) krystallines, divergent-strahlig-körniges Plagioklasgestein, das man darnach, sowie in Anbetracht seiner geologischen Alters- und Verbandverhältnisse auch als eine Diabas-Facies des Melaphyrs oder als Meso-Diabas bezeichnen kann. - Laspeyres fasste mit diesem eingehender untersuchten und als leitenden Typus aufgestellten Palatinit nicht nur identische, sondern auch andere alters- oder geradezu niveaugleiche Gesteine zusammen, welche, wie ein Theil der Gesteine des Schaumberges bei Tholei und derjenigen um Martinstein an der Nahe Intersertalbasis besitzen, also nicht mehr vollkrystallin sind. Diese Gesteine neigen auch wohl etwas zur porphyrischen Structur hin und führen dabei nicht selten zwar auch keinen Diallag, aber doch einen rhombischen Blätter-Augit (Bronzit) neben dem Diabas - Augit und sind entsprechend als Dolerit-Facies des Melaphyr, beziehungsweise als Bronzit-führender Meso-Dolerit zu bezeichnen. Dieser Umstand hat dann zunächst zu einer viel weiteren Fassung des Begriffs Palatinit Anlass gegeben. So gebrauchte Streng dies Wort nicht sowohl für eine bestimmte Structur - Facies der Melaphyre, als vielmehr für alle jene Plagioklas-Augit-Gesteine der mesoplutonischen Eruptivformation zwischen Saar und Rhein, die der Vortragende in Augit-Porphyrite und Melaphyre als Hauptgruppen, unbeschadet aller weiteren Theilung nach structurellen und substanziellen Eigenschaften geschieden wissen will.