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Zur Entwicklungsgeschichte der Beyrichien.

Verworn, M.

Kurzfassung

Die kleine fossile Ostracodengattung "Beyrichia M'Coy", welche für die obersilurischen Schichten wegen ihrer ungeheuren Individuenzahl als schätzenswerthes Leitfossil bekannt ist, hat schon seit langer Zeit eine ziemlich umfangreiche Literatur hervorgerufen, die bisher im wesentlichen systematische Arbeiten über die sehr zahlreich aufgefundenen Arten und Varietäten der Gattung aufwies. Dieses Material, welches die interessante Thatsache zeigte, dass die einzelnen Arten und Varietäten in einem Maasse wie bei wenigen fossilen Thiergattungen durch viele Uebergänge nach verschiedenen Richtungen hin verbunden sind, musste den Gedanken erwecken, durch eine Untersuchung der Zwischenformen die natürliche Verwandtschaft der Beyrichien-Arten festzustellen. Schon Kloeden hat 1834 bei der Betrachtung der wenigen ihm bekannten Beyrichichienformen sich die Idee gebildet, dass er eine Entwicklungsreihe vor sich habe; aber er irrte sich in sofern, als er alle Formen in den Entwicklungskreis einer einzigen Art zog, indem er sie für ontogenetische Zustände derselben hielt. Das Verdienst, die bekannten Formen phylogenetisch verwerthet zu haben, hat sich erst vor Kurzem G. Reuter (l. c.) erworben, und zwar auf Grund einer Untersuchung des Materials aus einem umgrenzten Gebiet (Ostpreussen) nach Morphologie und geologischer Verbreitung in horizontaler und verticaler Richtung. Durch ein in den Kiesgruben von Rixdorf bei Berlin gefundenes Diluvialgeschiebe bin ich im Stande, einen kleinen Beitrag zur Phylogenie der Beyrichien liefern zu können, der umsomehr interessiren wird, als er auf ontogenetischem Wege zur Klarstellung einiger phylogenetischer Verhältnisse führt, auf einem Wege, den der Zoologe alle Tage betritt, der aber dem Palaeontologen nur in sehr seltenen Fällen offen steht.