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II. Die Facies der venetianischen grauen Kalke im Département de la Sarthe.

Georg, Boehm

Kurzfassung

Petrefacten, die ich in der école des mines in Paris gesehen hatte, Messen mich vermuthen, dass im Dépt. de la Sarthe Aequivalente der venetianischen grauen Kalke anstehen dürften. Ich beschloss, diese an Ort und Stelle aufzusuchen. Nun bin ich zurückgekehrt. Meine Erwartungen sind bei weitem übertroffen worden. Im Département de la Sarthe ist die Facies der grauen Kalke von Venetien typisch entwickelt. Man findet dort sogenannte Lithiotis-Kalke wie in den Seite und Tredici-Comuni. Man findet dort eine Pernen-Schicht, welche der von Grezzana bei Verona zum Verwechseln ähnlich ist und wie diese fast nur aus Pernen besteht. Man findet schliesslich einen Durga-Horizont, genau wie in den venetianischen Alpen; wie in der valle del Paradiso und in der valle dell' Anguilla. Die betreffenden Schichten bilden einen sehr charakteristischen und leicht kenntlichen Horizont. Sie dürften sich deshalb auch stratigraphisch als recht verwendbar erweisen. Der erste, welcher die uns interessirenden Kalke beobachtet hat, soll, nach mündlicher Mittheilung des Herrn Chelot, Triger gewesen sein. Später sind jene Kalke auch durch Guillier constatirt worden. Herr Guillier hat vom Département de la Sarthe eine geologische Karte im Maassstabe 1 : 40000 angefertigt, welche mir sehr exact erscheint. Auf dieser Karte sind die bezüglichen Schichten mit 31 L ausgezeichnet. Es heisst in der Erklärung, welche der Karte beigefügt ist: "31 L. Mittlerer Lias ist im Thale zwischen Fyé und Gesnes-le-Gandelin durch einen braunen Kalk repräsentirt. Dieser Kalk schliesst eine enorme Menge plumper Fossilien ein, welche kaum bestimmbar sind. Man unterscheidet Carditen und Pernen."