Original paper

Ueber die Abhängigkeit der Mineralfüllungen der Gänge von der Lage derselben.

von Groddeck, A.

Kurzfassung

In der letzten Zeit bin ich bei meinen Studien über Erzlagerstätten mehrmals auf Verhältnisse gestossen, welche sich Ihren wichtigen und interessanten Beobachtungen über die Abhängigkeit der Ausfüllungsmassen der harzer Erzgänge, von der Lage der Spalten zu den Granitstöcken und ihren Contactzonen anschliessen. Zunächst will ich bemerken, dass sich - nach den vorliegenden Beschreibungen - den Gangverhältnissen der Umgebung des Rammbergs im Harz durchaus analoge im Minendistrict von Yauli bei Morrococha, in Peru, und in Cornwall finden. An ersterer Stelle trifft man nach Pflücker Y Rico (Berg- u. Hüttenm. Zeitung 1884, p. 353) in der nächsten Nähe der die Kreideschichten durchbrechenden und verändernden Propylite in den Gängen nur silberarme Kupferfahlerze. Reiche Fahlerze und andere Silbererze treten dagegen erst weiter vom Contact, in den weniger veränderten Gesteinen auf. Noch interessanter ist das Verhalten in Cornwall. Hier setzen die bekannten Zinn- und Kupfererzgänge nur im Granit und in unmittelbarer Nähe desselben auf; Bleierzgänge dagegen erst in einiger Entfernung von den Granitstöcken. (Phillips: A. treatise on ore deposition, p. 117 und Cotta: Die Lehre von den Erzlagerstätten, II, p. 459.) Das erinnert doch wohl an die unterharzer Verhältnisse, wo sich, wie sie nachgewiesen haben, um den Rammberg herum, im Contacthof, oder in einer diesem sich unmittelbar anschliessenden Zone, also nicht hoch über der Granitoberfläche, eine kiesige Quarz-Kalkspath-Flussspath-Formation entwickelt hat und erst im weiteren Abstände vom Granit, das heisst höher über der Granitoberfläche, die Bleierze führenden Gänge der Umgegend von Harzgerode auftreten. Ich würde es aber nicht der Mühe werth gehalten haben, Sie auf diese Analogien aufmerksam zu machen, wenn sich mir nicht im Oberharz eine Erscheinung aufgedrängt hätte, welche auch in diese Kategorie gehört.