Original paper

Ueber den Granatenfund auf der Dom-Insel in Breslau.

Roemer, Ferd.

Kurzfassung

Zu meinem in dieser Zeitschrift 1886, Bd. XXXVIII, p. 723-727 veröffentlichten Aufsatz über den Granatenfund auf der Dom-Insel in Breslau möchte ich noch einen kleinen Nachtrag liefern. Zunächst ist zu bemerken, dass erst nach dem Drucke des Aufsatzes mir ein 14 Pfund schweres Stück von grob krystallinischem, graulich weissem Kalkstein aus demselben Funde zuging, welches in ziemlich dichter Zusammendrängung eine Anzahl von Granatkrystallen von völlig gleicher Beschaffenheit wie die lose auf der Dom-Insel gefundenen fest eingewachsen enthält. Dadurch wird die Frage nach dem Muttergestein der losen Granaten noch sicherer erledigt, als sie es durch den Umstand, dass vielen der losen Krystalle kleine Partieen von krystallinischem Kalk noch anhaften, bereits früher war. In Betreff der mit den Granaten vorkommenden anderen Mineralien hat sich auch noch Einiges nachträglich feststellen lassen. Am häufigsten ist grüner Augit. Gewöhnlich erscheint derselbe in sehr kleinen gerundeten Körnern von grau-grünlicher Färbung. Es wurden aber in Höhlungen der Granaten auch deutliche Krystalle von schön hellgrüner Färbung und vollkommener Durchsichtigkeit, freilich nur von geringer, 1-2 mm betragenden Grösse beobachtet. Auch Vesuvian ist nicht selten. Es wurden kurz-säulenförmige Krystalle bis zu Fingersdicke beobachtet. Sie zeigen deutlich die stark längsgestreiften Flächen des ersten quadratischen Prisma und als schmale Abstumpfungen die Flächen des quadratischen Prisma zweiter Ordnung. Immer sind die Krystalle fest mit den Granatkrystallen verwachsen. Ist aber das Mineral, wie es meistens der Fall, nicht deutlich krystallisirt, dann ist es zuweilen von dem Granat sehr schwer zu unterscheiden, denn die dunkel kolophonium-braune Farbe des Vesuvians zeigen zuweilen auch die Granatkrystalle. Endlich hat sich auch der früher nur unsicher erkannte Wollastonit seitdem zweifellos bestimmen lassen.