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Über einige durch besondere structurelle oder substanzielle Eigenschaften ausgezeichnete Faciesbildungen des Brokkengranits.

Lossen, K. A.

Kurzfassung

Structurelle Abweichungen von dem gleichmässig körnigen Normalgranitit, hervorgerufen durch die Betheiligung fein granitischer, schriftgranitischer oder granophyrischer Verwachsungen von Quarz und Feldspath an dem Bestand des Gesteins, findet man nicht nur häufig längs der ganzen Aussenseite, beziehungsweise Oberfläche des eugranitischen Massivs, sondern strichweise auch ziemlich weit von der Peripherie entfernt. Eine solche namhaftere, von der Grenzfläche unabhängige Betheiligung zeigt sich, soweit die bisherige Erfahrung reicht, in dem Harzburg, Ilsenburg und Hasserode zugekehrten nordöstlichen Antheile des Brocken-Massivs, während sie aus dem südwestlichen Antheile desselben Massivs bislang nicht bekannt geworden ist. Als Beispiel diente ein weislich bis grünlich grauer, porphyrartiger Granitit, der zwischen den Kilometersteinen 5,0 und 4,9 der Ilsestrasse am Meinekenberge gesammelt wurde und der die Structurerscheinung dadurch besonders lehrreich wahrnehmen lässt, dass die bis zu 1 cm Maximalgrösse erreichenden Feldspath-Einsprenglinge aus einem verhältnissmässig wohlbegrenzten, wesentlich quarzfreien Kern und einer allseitigen oder auch nur einseitigen, mit diesem Kerne gleich orientirten, nach aussen unregelmässig begrenzten Hülle bestehen, die ganz mit Quarz durchspickt ist. Die vom Harze her aus dem Granit und seinen Apophysen (vergl. des Vortragenden Brief an E. Weiss in dieser Zeitschr. 1876, Bd. XXVIII, p. 405 ff.) bekannt gewordenen feinkrystallinischen, sub|hikroskopischen bis mikroskopischen, schriftgranitischen Massen, die in dem Mikropegmatit Michel-Lévy's und dem Granophyr Rosenbusch's ihre Vertreter in zahlreichen Graniten, Granitporphyren und verwandten stock- oder gangförmigen Eruptivgesteinen besitzen, lassen keinen Zweifel an ihrer echten Massengesteinsnatur zu. Um so weniger erscheint es gerechtfertigt, dass da, wo solche Massen etwas grobkrystallinischer werden, wie in den Schriftgranit-Gängen im Gabbro von Harzburg, deren eruptive Natur angezweifelt worden ist.