Original paper

Ueber Turmalin euthaltende Kupfererze vom Tamaya in Chile nebst einer Uebersicht des geologischen Vorkommens der Bormineralien.

von Groddeck, A.

Kurzfassung

Bei genauer Untersuchung einer sehr umfangreichen Sammlung von Tamaya, welche die Königliche Bergakademie zu Clausthal der Güte des Herrn Astaburuaga verdankt, wurde ich durch das massenhafte Vorkommen kleiner, zum grössten Theil mikroskopischer Turmaline überrascht, welche die Kupfererze, Gangarten und Ganggesteine jener bedeutenden Kupfergrube Chile's enthalten. Eine Umschau in der Literatur belehrte mich bald, dass dieses höchst merkwürdige Vorkommen nicht ganz unbekannt ist, wie ich anfangs glaubte. Der erste, welcher Turmaline in den Kupfererzen Chile's erkannte, war - so weit meine Literaturkenntniss reicht - M. Böcking; derselbe fand schon im Jahre 1855. bei der Analyse eines Buntkupfererzes von Coquimbo in Chile einen Gehalt von 11,80 pCt. Turmalin in Gestalt charakteristischer kleiner, schwarzer Krystalle. In dem Lehrbuch der Mineralogie von Naumann-Zirkel ist von dieser Entdeckung Böcking's bei Schilderung des Buntkupfererzes mit der Bemerkung Notiz genommen: "eine von Böcking analysirte Var. von Coquimbo enthält sogar 12 pCt. mikroskopisch kleine Turmalinkrystalle beigemengt." Etwa 10 Jahre später isolirte Ulex aus einem chilenischen Kupfererz, welches in dem Eibhüttenwerk auf Steinwörder, Hamburg gegenüber, verschmolzen wurde, ein Mineral, welches er durch Analyse als Eisen-Magnesia-Turmalin bestimmte. Dieser Turmalin, von schwärzlich grüner oder brauner Farbe und strahliger oder faseriger Structur, war in einem Gemenge von Atacamit, Malachit, Rotheisenerz und Kalkspath eingewachsen. - Ulex weist darauf hin, dass dieses Gemenge ohne Zweifel das bereits von David Forbes unter dem Namen Taltalit (nach dem Fundort Taltal in der Wüste Atacama) beschriebene Mineral ist.