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Ueber das Alter einiger Theile der südamericanischen Anden. II.

Ochsenius, Carl

Kurzfassung

In einem kleinen Aufsatz im vorigen Jahrgang dieser Zeitschrift, p. 766-772 wies ich darauf hin, dass meines Erachtens man die Hebung mancher Andenpartieen als der Quartärperiode angehörig ansehen müsse, ja dass sogar eine gewisse Berechtigung bestände, zu glauben, dass das Gebiet des Titicaca-See's auf seine heutige Höhe erst nach seiner Bevölkerung durch Menschen aufgestiegen sei, weil nicht denkbar ist, dass die grosse, prachtvolle, jetzt nur noch aus Ruinen bestehende Kaiserstadt Tiahuanaco in einer so kalten, öden Gebirgslandschaft, wie ihre gegenwärtige weite Umgebung ist, angelegt worden sei. Ich brachte weiter zur Sprache, dass unter der Fauna des Relicten-See's Titicaca sich Krebse fänden, die nur noch im benachbarten Grossen Ocean vorkämen, berief mich darauf, dass Salzlösungen, die offenbar erst in jüngster geologischer Zeit aus den Cordilleren herabgeflossen sein konnten, stellenweise auf Ackerland zum Stehen gelangt seien, führte gewisse Bergzüge der chilenischen Hochgebirge an, welche ebenfalls auf ein jugendliches Alter hindeuteten, und hob nachträglich hervor, dass Steinmann, ganz unabhängig von meiner Auffassung, zu fast gleichem Meinungsresultate bei seinen Reisen dort gelangt sei, dasselbe aber insofern anders einkleide, als er annähme, dass seit der Bildung der Andenkette zu Ende der Kreidezeit sich das Meer um die Höhe des Gebirges dem Erdcentrum genähert habe. Gegen letztere Annahme scheint mir manches zu sprechen, was nicht unerwähnt bleiben darf. Stand zu Ende der Kreidezeit das Meer 4000 m höher als jetzt, so muss zugegeben werden, dass es überall auf der Erde aus Gleichgewichtsgründen mindestens annähernd gleiches Niveau bestes; es konnten darüber also auch nur diejenigen Theile des Landes emporragen, welche über 4000 m hoch waren, und das sind heutzutage nur äusserst wenige. Das ganze ungeheure, damals vom Ocean bedeckte Areal müsste demnach auch Repräsentanten von marinen, jung cretacischen Ablagerungen aufweisen, abgesehen von dem Wenigen dieser Sedimente, das in der Tertiärperiode der Erosion anheimgefallen wäre. Das stimmt durchaus nicht mit der bekannten Verbreitung jener Schichten.