Original paper

Ueber das Vorkommen von Riesenkesseln bei Lägerdorf.

Zeise, Oskar

Kurzfassung

Eigentliche Riesenkessel oder Gletschertöpfe gehören im norddeutschen Flachlande nicht zu den Seltenheiten. Sie sind bereits aus Oberschlesien, Posen, Pommern, Brandenburg und Hannover bekannt geworden, und im Folgenden soll auf ihr Vorkommen in Holstein hingewiesen werden. Gelegentlich einer Excursion nach Lägerdorf, 6 km SO Von Itzehoe, welche ich gemeinschaftlich mit Herrn C. Gottsche unternahm, fanden wir in dem Kreidebruche der Firma Alsen Söhne die Oberfläche der Kreide mit zahlreichen, meist cylindrischen Vertiefungen bedeckt. Herr C. Gottsche, der einzelne derartige, theilweise mit nordischem Material erfüllte Vertiefungen schon 1876 in den Kreidegruben von Schinkel, 1 km SW von Lägerdorf, beobachtet hatte, ohne derzeit die richtige Deutung geben zu können, war gleich mir durch die bedeutende Anzahl der Riesenkessel, sowie besonders durch die zum Theil ungemein regelmässige Form derselben überrascht, und rieth mir, soweit als möglich die Lage, Anordnung etc. der Lägerdorfer Riesentöpfe festzustellen. Die Kreide von Lägerdorf, welche am linken Ufer der Stör die Unterlage einer kleinen, rings von Marsch umgebenen Geest-Insel bildet, streicht SO-NW und fällt mit etwa 15° nach NO ein. Dieselbe ist bis zu einer Tiefe von etwa 25 m aufgeschlossen und besteht wesentlich aus den Schichten des Actinocamax quadratus, indem das bedeckende Mucronaten-Senon nur an wenigen Punkten der Erosion widerstanden hat. Die Kreide wird von 4 grossen Firmen zur Cementfabrication abgebaut, doch sind zur Zeit nur auf dem der Firma Alsen Söhne gehörigen Terrain, vermöge der seit 3/4 Jahren in grossartiger Weise betriebenen Abräumungsarbeiten, die Gletschertöpfe in grösserer Ausdehnung freigelegt.