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Über die geologische Stellung der hessisch-nassauischen Tentaculiten-Schiefer.

Kayser, Emanuel

Kurzfassung

Dieselben stellen ein im südöstlichen Theile des rheinischen Schiefergebirges weit verbreitetes, namentlich aber im hessischen Hinterlande, dem Waldeck'schen und der Dillgegend mächtig entwickeltes Schichtensystem dar, welches überwiegend aus Thonschiefern, daneben aber auch aus Dachschiefern, Kieselschiefern, Adinolen, Quarziten, Grauwacken, verschiedenartigen Kalksteinen, sowie mitunter Schalsteinen zusammengesetzt ist. Koch stellte zuerst einen Theil der hierher gehörigen, von früheren Autoren meist zum Culm gerechneten Schiefer unter dein Namen "Bandschiefer" zum Mitteldevon. Später wies dann der Vortragende auf die nahen Beziehungen der Tentaculiten-Schiefer zu den Orthoceras-Schiefern hin; und in der That sind diese Beziehungen so enge, dass man den Orthoceras-Schiefer nur als eine besondere Ausbildungsform der Tentaculiten-Schiefer ansehen kann. Ueberall nämlich, wo die Tentaculiten-Schiefer, die in der Regel ausser den charakteristischen, oft zu Milliarden angehäuften Tentaculiten nur wenige andere gut erhaltene Versteinerungen enthalten, solche einschliessen, da sind es die auch im Orthoceras-Schiefer vorkommenden Petrefacten (besonders Goniatiten, Orthoceren, Trilobiten). Die rheinischen Orthoceras-Schiefer sind jetzt als dem Mitteldevon angehörig erkannt worden. Der Vortragende stellte dieselben in seiner Arbeit über das Rupbachthal den Calceola-Schiefern der Eifel gleich und nahm die nämliche Stellung auch für die Tentaculiten-Schiefer in Anspruch. Allein die von ihm in den letzten Jahren im Dillenburg'schen und im hessischen Hinterlande ausgeführten Untersuchungen machen eine Erweiterung jener Classification nöthig, da sie gezeigt haben, dass in den genannten Gegenden die Tentaculiten-Schiefer meist für sich allein das ganze Mitteldevon vertreten, woraus sich ergibt, dass nur ein Theil der Tentaculiten- (bezw. Orthoceras-)Schiefer den Calceola-Schiefern entsprechen kann, während ein anderer Theil ein Aequivalent des Stringocephalen-Kalkes darstellen muss.