Original paper

Über fossile Thierspuren aus dem Buntsandstein Thüringens.

Bornemann sen, J. G.

Kurzfassung

Die bekannten Chirotherien-Fährten von Hessberg wurden in den 30er Jahren durch Sickler entdeckt, und die Sandsteinplatten mit Thierfährten sind von dort in viele Museen gekommen. Der damalige Besitzer jenes Steinbruches hat die Ausbeutung der Fährtenschicht in sehr sorgfältiger Weise betrieben und einen Plan gezeichnet, auf welchem alle jene Platten in ihrer ursprünglichen Lage eingetragen und die grösseren Fährten in ihrem Zusammenhang dargestellt sind. Von dem Originalblatte dieser Zeichnung wurde eine verkleinerte photographische Copie vorgelegt. Ausser den Chirotherien-Fährten zeigt dieselbe auch mehrere Reliefs, welche von den Hinterfüssen Robben-artiger Thiere herzurühren scheinen. Dieselben sind nach der auf dem Plane befindlichen Angabe nach Berlin und nach Gotha gesandt worden. Im herzogl. Museum zu Gotha ist die eine dieser Platten mit Schwimmfüssen aufgestellt. Einen sehr reichhaltigen Fund zahlreicher verschiedener Fährtenformen machte Redner gelegentlich einer mit Dr. Proescholdt unternommenen Excursion im vorigen Jahre bei Harras. Die Fundstelle ist dann weiter ausgebeutet nnd das gewonnene Material genauer untersucht worden. Es sind aus demselben neben verschiedenartigen Chirotherien-Spuren - welche übrigens nichts mit Labyrinthodon zu thun haben, sondern höchst wahrscheinlich von Säugethieren herrühren - noch mehrere Fussspuren von anderen Säugethierformen, Vogelfährten mit unverhältnissmässig langen Schritten und kleinen Füssen, Batrachier- und Crustaceen-Spuren, sowie ferner Spuren einer Algenvegetation, Regentropfen und sehr schöne Wellenrippen (ripple-marcs) zu erwähnen. Manche Platten sind so dicht mit Fusssohlenreliefs besetzt, dass sich auf dem Raum eines Quadratmeters mehr als 1000 solcher Spuren befinden. Einige Reliefs erinnern auch an Theile von Vogelfedern, eine Bilobiten-förmige Gestalt sogar an den befiederten Rücken eines Vogels. Das Zusammenvorkommen aller dieser Erscheinungen in zahlreichen, mit einander abwechselnden Sandstein-Schichten und dünnen Thonlagen weist darauf hin, dass die Bildung des Chirotherien-Sandsteins von Harras an einer Küste stattfand, an welcher bei Ebbe und Fluth das Niveau des Wasserspiegels in kurzen Perioden wechselte und diese Küstenzone auf der einen Seite von Dünen und Festland, auf der anderen vom offenen Meere begrenzt war.