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Über die Temperatur-Verhälthältnisse zur Zeit des Absatzes der Cyprinen- und Yoldien-Thone der Ostseeländer.

Torell, Otto

Kurzfassung

An den deutschen Ostseeküsten kommen in Westpreussen und besonders im Weichselthale zwei Fossilien führende Ablagerungen vor, theils der sog. Cyprinen-, theils der Yoldia (arctica)-Thon; die erstgenannte Bildung hat ausserdem eine ziemlich grosse Ausdehnung in Holstein, Schleswig und auf Langeland sowie anderen dänischen Inseln. Bei Tarbek und Blankenese in Holstein findet man ausserdem Sandschichten, welche Ostrea edulis, Mytilus edulis, sowie einige andere Molluskenarten enthalten. Die Fauna des Cyprinen-Thons, in welchem auch Austern angetroffen sind, stimmt vollständig mit derjenigen der heutigen Nordsee überein. Austern leben in Europa heutzutage nicht nördlicher als bei Thränen (in Norwegen) am Polarkreis, wo die Temperatur am Meeresgrunde nach Prof. Mohn + 6° C. beträgt. Die an der Meeres-Oberfläche lebende Austernbrut bedarf für ihre Entwicklung mindestens eine Temperatur von + 16° C.; eine über + 20° C. steigende Temperatur ist jedoch die für ihre Ausbildung günstigste. Bezüglich des Alters des Cyprinen-Thons und der Austernbänke haben sich sehr verschiedene Ansichten geltend gemacht. Schon seit geraumer Zeit habe ich die Thatsachen hervorgehoben, welche meinen Untersuchungen zufolge für die Auffassung sprechen dürften, dass der Cyprinen-Thon prae- und infraglacial ist. Forchhammer, welcher im Jahre 1842 zuerst den Cyprinen-Thon beschrieb, und Johnstrup, welcher denselben einer sorgfältigen Untersuchung unterworfen hat, kommen zu der Ansicht, dass derselbe interglacial ist, und dass er vom Geschiebemergel ("Rullestensler") sowohl über- als unterlagert würde. Wenn dies wirklich der Fall sein sollte, wäre das Wasser der Ostsee zu einer Periode, nachdem die ältesten Moränen der Eiszeit bereits abgelagert waren, so warm gewesen, wie das Vorkommen von Austern voraussetzt.