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Das angebliche Hippotherium gracile Kaup aus dem Löss von Linz und dem Postpliocän des Altai

Wollemann, A.

Kurzfassung

Im Neuen Jahrbuch für Mineralogie etc., 1841, p. 357, berichtet Goldfuss über im Bonner Museum aufbewahrte Beste von Hippotherium gracile Kaup, welche nach seiner Angabe aus dem "Löss" von Linz, von Güls an der Mosel und aus einer Höhle im Altai am Ufer des Flusses Tsginsky in der Nähe der Silbergrube Tsginskoy stammen, an welchem Orte dieselben mit Rhinoceros-Knochen und Zähnen der Höhlenhyäne zusammenlagen. Demnach sind diese von Goldfuss auf Hippotherium bezogenen Knochen sämmtlich postpliocänen Alters. Eine genaue Untersuchung der unter den Resten befindlichen Backenzähne ergab jedoch, dass ihnen die für Hippotherium charakteristische feine Verzweigung der Mittellamellen fehlt und dieselben vollständig mit den Backenzähnen von Equus caballus fossilis übereinstimmen. Ebenso ist ein gut erhaltener Metratarsus viel zu stark für Hippotherium gracile, stimmt dagegen an Grösse und Form genau mit dem Metatarsus eines Diluvialpferdes von mittlerer Grösse überein. Ausserdem möchte ich hier noch auf zwei aus der Höhle von Balve stammende Zähne aufmerksam machen, welche lange Zeit unter den Schaustücken des hiesigen Museums aufgestellt waren. Dieselben wurden von Goldfuss als zu Hippopotamus gehörig bestimmt, sind jedoch, wie ein Vergleich mit dem entsprechenden Zahne eines starken Keilers ergab, die unteren Hälften oberer Eckzähne eines erwachsenen männlichen Wildschweins. Wahrscheinlich hielt Goldfuss die beiden Zähne für erste obere Schneidezähne eines junges Hippopotamus, welchen dieselben allerdings etwas ähnlich sind. Dass Reste von Sus scrofa in der Höhle von Balve häufig gefunden wurden, zeigen zahlreiche Schädelfragmente dieser Species von dort, welche Eigenthum des hiesigen Museums sind. Unter diesen befinden sich einige obere Backenzähne, welche hinsichtlich der Grössenverhältnisse den beiden erwähnten Eckzähnen genau entsprechen.