Original paper

I. Ueber das Devon der Ostalpen, nebst Bemerkungen über das Silur und einem paläontogischen Anhang.

Frech, Fritz

Kurzfassung

Einleitung. Das Bestreben, die älteren Devonbildungen Mitteleuropa's mit Rücksicht auf die Eigentümlichkeiten ihrer faciellen und geographischen Entwicklung vergleichend zu untersuchen, war die Veranlassung zu Reisen, die ich im Sommer 1886 und 1887 in Steiermark und Kärnten unternommen habe. Ursprünglich bestand die Absicht, die Ergebnisse dieser Forschungen in Verbindung mit einer Gesammt-Darstellung des devonischen Systems zu veröffentlichen. Da jedoch der Abschluss dieser grösseren Arbeit durch zahlreiche, dafür nothwendige paläontologische Untersuchungen verzögert wird, und da andererseits im Anschluss an die Bearbeitung des Mittel- und Unterdevon sich einiges Neue über Silur und Oberdevon ergeben hat, so behandle ich die in den Alpen gemachten Beobachtungen vorläufig gesondert. Die bedeutendste Arbeit über das alpine Palaeozoicum ist der in dieser Zeitschrift (1884, p. 274) erschienene Aufsatz von G. Stache: "Ueber die Silurbildungen der Ostalpen mit Bemerkungen über die Devon-, Carbon- und Perm-Schichten dieses Gebietes". Die Kenntniss eines wichtigen, im Herzen von Europa gelegenen paläozoischen Gebietes wurde hierdurch neu erschlossen. Zahlreiche Mittheilungen und Arbeiten desselben Verfassers, in denen auch die ältere Literatur erschöpfende Berücksichtigung gefunden hat, lagen bereits vor. Die vorliegende Arbeit hat im Wesentlichen den Zweck, das Vorhandensein einer Reihe neuer, paläontologisch genau bestimmbarer Horizonte, vor Allem im Mitteldevon nachzuweisen und die zum Theil eigentümlichen, heterotopen und heteropen Verhältnisse des alpinen Devonmeeres zu schildern. Die Einzel-Besprechung der drei wichtigsten Devon-Gebiete der Ostalpen bildet die Grundlage; in einer vergleichenden Uebersicht der Stratigraphie, der faciellen und geographischen Entwicklung des Devon werden die Ergebnisse kurz zusammengestellt.