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Ueber Bau und Entstehung der Karnischen Alpen.

Frech, Fritz

Kurzfassung

Einleitung. Bei der stratigraphischen Durchforschung der westlichen Karnischen Alpen, deren Ergebnisse in dem vorstehenden Aufsatze mitgetheilt sind, wurden eigentümliche tektonische Verhältnisse beobachtet, die zu weiteren Folgerungen Anlass geben. Es liegen einerseits Faltungserscheinungen, Ueberschiebungen jüngerer Gebilde durch ältere, Ineinanderpressungen von Gebirgsgliedern verschiedenen Alters vor, wie sie in dieser Grossartigkeit bisher nur in den Schweizer Alpen bekannt geworden sind; andererseits wird der Bau des Gebirges durch gewaltige Brüche beherrscht, welche in keiner Beziehung zur Faltung stehen, sondern das ganze Gebiet in Schollen von verschiedener Ausdehnung zerlegt haben. Die Karnischen Alpen bilden mit anderen Worten ein Bruchgebirge, ähnlich dem westlichen Südtirol; innerhalb der einzelnen Schollen lassen sich jedoch mit aller Deutlichkeit die Wahrzeichen einer älteren Faltungsperiode beobachten. Die Untersuchungen in den westlichen Karnischen Alpen sind, trotzdem ich einen erheblichen Theil der Sommer 1886 und 1887 daselbst verweilt habe, nicht vollständig beendet; vor Allem ist der Anschluss an die Aufnahmen von Mojsisovics und Harada noch nicht bewirkt. Da jedoch vorauszusehen ist, dass auch im nächsten Sommer die betreffende Lücke schwerlich ganz ausgefüllt werden wird, so veröffentliche ich die nachfolgenden Beobachtungen bereits jetzt, umsomehr als wenigstens in dem kleinen Gebiet zwischen Seekopf und Pizzo di Timau eine feste Grundlage für weitere Forschungen gewonnen ist.