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Der Quarzporphyr von Heiligenstein und seine Fluidalstructur.

Bornemann, J. G.

Kurzfassung

Die merkwürdigen Structurerscheinungen des Heiligensteiner Porphyrs, von welchem ich vor einigen Jahren einen Dünnschliff abbildete, haben seitdem zu weiteren Untersuchungen der interessanten Porphyr-Vorkommen der Ruhlaer Gegend geführt. Anscheinend paradoxe Verhältnisse im Auftreten jener Fluidalstructur haben in besonderem Grade die Aufmerksamkeit der Petrographen auf sich gezogen. Zu ihrer Erklärung sind aber neuerdings eigenartige theoretische Betrachtungen aufgestellt worden, welche das Richtige nicht zu treffen scheinen und mir zu nachstehenden Bemerkungen Veranlassung geben. In einer sehr speciellen Darlegung der Heiligensteiner Porphyr-Vorkommen hat Prof. Weiss darauf aufmerksam gemacht, dass bei vielen derselben die Richtung der Fluidalstructur nicht parallel mit der Richtung der Längserstreckung der "Porphyrgänge" läuft, sondern quer oder rechtwinklig zu derselben steht. Obgleich Weiss in den in seiner Arbeit niedergelegten Beobachtungen alle Elemente zu einer naturgemässen Erklärung jener sonderbaren Erscheinung vereinigt hat, ist er doch nicht dazu gekommen, eine solche zu geben und scheint selbst an der Natur der Fluidalstructur des Heiligensteiner Porphyrs zweifelhaft geworden zu sein, weil ihm die "Richtung der Parallelstructur möglichst widersprechend der Vorstellung von der Bewegung der Masse bei der Eruption erschienen ist". Darauf hat Rosenbusch in seiner Mikroskopischen Physiographie der massigen Gesteine, 1886 (p. 411), sich mit diesen Erscheinungen weiter beschäftigt. Er gibt an, dass die Parallelstructur mit den geschwänzten Quarzen und lang gezogenen Orthoklasen etc. kein fluidales Phaenomen sein könne und bezeichnet sie als "Dynamometamorphische Phaenomene" und "Endomorphe Contacterscheinungen", als "Umwandlungen in Structur und Mineralbestand durch Contactwirkungen und durch orogenetische Processe bedingt". Die Parallelstructur des Quarzporphyrs soll also, wenn ich die Ausführungen von Rosenbusch richtig verstanden habe, nachträglich nach dem Festwerden des Gesteins durch eine spätere Metamorphose entstanden sein!?