Original paper

Ueber eine Bereisung des Hohen Venn.

Kayser, Emanuel

Kurzfassung

Erlauben Sie mir, Ihnen Einiges über die Ergebnisse einer kleinen Reise in's Hohe Venn mitzutheilen, die ich nach Schluss der Bonner Geologen - Versammlung unternahm, um die Eindrücke, die ich vor 18 Jahren von dem tiefsten Gliede des dortigen Unterdevon, dem Gédinnien Dumont's, sowie von den die Unterlage desselben bildenden cambrischen Schichten erhalten hatte, wieder aufzufrischen. Von grossem Vortheil war es für mich, dass ich diese Reise in Gemeinschaft meines in jener Gegend wohl bewanderten Collegen Holzapfel machen konnte, namentlich aber, dass sich uns für den Anfang unserer Tour der beste Kenner der ganzen Ardennengegend, Professor Gosselet aus Lilie, angeschlossen hatte. Wir begannen unsere Wanderung in Call, gingen von da zunächst nach Sötenich und dann über Schleiden nach Lammersdorf, welches letztere, seit ein paar Jahren bei den Geologen so berühmt gewordene Dorf - bekanntlich wurden dort beim Bau der Vennbahn die ersten (gangförmigen) Vorkommen von Granit im rheinischen Schiefergebirge entdeckt - bereits auf der Höhe des Venn auf cambrischen Schichten liegt. Wir durchquerten auf diesem Wege die ganze Schichtenfolge vom Eifler Kalk bis zum Cambrium. Die am Nordrande der Sötenicher Mulde zunächst unter dem Kalk auftretenden Grauwackenschiefer und Sandsteine der Oberen Coblenzstufe, in denen wir unweit Rinne auch Versteinerungen fanden, sind verhältnissmässig wenig mächtig. Schon der von Frohnrath nach der Schleidener Chaussee verlaufende Rücken besteht aus unreinen, grauen, quarzitischen Gesteinen, die man für ein Aequivalent des oberen Theils des Coblenzquarzits der Lahn - und Moselgegend halten darf. Unter denselben folgen in typischer Ausbildung die rothen Vichter Schichten.