Original paper

über die Fluidalstructur des bekannten Porphyrs von Heiligenstein

Lossen, K. A.

Kurzfassung

Herr J. G. Bornemann aus Eisenach sprach über die Fluidalstructur des bekannten Porphyrs von Heiligenstein, deren scheinbar paradoxe Richtungsverhältnisse sich dadurch erklären lassen, dass diese Porphyrpunkte nicht einzelne selbstständige Gänge, sondern Theile lagerförmiger Massen sind, welche in Folge der Streckung des sie einschliessenden Glimmerschiefer - Gebirges zerrissen und auseinander gerückt worden sind. Herr Weiss sprach sich gegen diese Auffassung aus und blieb bei seiner Ansicht, verschiedene Gänge in den verschiedenen angeschnittenen Vorkommen des Porphyrs zu sehen. Herr K. A. Lossen knüpfte an die Mittheilungen der Herren Bornemann und Weiss über die Porphyre mit den geschwänzten Quarzeinsprenglingen von Thal im Thüringerwald die Bemerkung an, dass ihm aus der verschiedenen Auffassung der Lagerungsverhältnisse seitens der beiden durch ihre kartographischen Aufnahmen im Maassstab 1 : 25000 mit dem geologischen Vorkommen der Gegend so genau bekannten Vorredner zunächst die Nothwendigkeit weiterer Untersuchungen und darum vorderhand eine um so vorsichtigere Beurtheilung der Genesis des merkwürdigen Gesteins geboten erscheine. Darum fügte er hinzu: In einem gelegentlich der Excursion der deutschen geologischen Gesellschaft nach Thal am 24. August 1882 daselbst auf Wunsch des Vorsitzenden improvisirten Vortrage habe ich hervorgehoben, dass die undulatorischen Auslöschungen, bezw. Interferenzfarben windschiefer Flächen, welche man an Quarzen und Feldspathen gewisser Gesteine bei der Betrachtung des Dünnschliffs zwischen gekreuzten Nicols im parallel polarisirten Licht wahrnehme, auf Druck - und Zugwirkungen zurückzuführen seien, welchen diese Krystalle entweder in statu nascendi während ihres Wachsthums in dem erst in Erstarrung begriffenen, magmatisch bewegten Gestein, oder aber nachträglich in dem bereits fertigen, verfestigten Gestein ausgesetzt waren.