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Receptaculitidae und andere Spongien der mecklenburgischen Silurgeschiebe.

Geinitz, E.

Kurzfassung

I. Receptaculitidae. Das Rostocker Museum besitzt eine Reihe von Receptaculitiden aus den untersilurischen "Backsteinkalk"-Geschieben, welche die neuerdings erschienenen eingehenden Beschreibungen jener eigenthümlichen Spongienformen von Hinde und Schlüter in einigen Punkten ergänzen und durch ihren eigenartigen Erhaltungszustand einige neue Gesichtspunkte über ihre Stellung liefern können. Der Backsteinkalk ist bekanntlich in seiner ursprünglichen Form ein dichter bis sehr feinkörniger, blau-grauer, kieselhaltiger Kalkstein, der an seiner Oberfläche oder auch durch und durch bei der Verwitterung in ein poröses, gelblich kieseliges Gestein übergeht, welches den Angriffen der Salzsäure widersteht. Sein Kieselgehalt ist besonders günstig für die Conservirung seiner Versteinerungen in Kieselsäure (Chalcedon, Feuerstein, Hornstein) oder in Form von Abdrücken und Steinkernen; es können hierbei ferner die ursprünglich aus kohlensaurem Kalk bestehenden organischen Theile in Kieselsäure umgewandelt, und umgekehrt die Kieselsäure durch kohlensauren Kalk verdrängt werden, welcher letzterer Vorgang bei den Spiculae von Spongien ja überhaupt eine häufige Erscheinung ist. Hierdurch entsteht ein Erhaltungszustand, der die ursprünglichen Verhältnisse gerade umgekehrt zeigt, also ursprünglich hohle Canäle als steinerfüllte, cylindrische Zapfen oder Stäbe, ursprünglich cylindrische Kieselnadeln, die später in kohlensauren Kalk umgewandelt wurden, jetzt als cylindrische Hohlräume in der Gesteinsmasse erscheinen lässt.