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Das Erdbeben an der Riviera in den Frühlingstagen 1887.

Hedinger, A.

Kurzfassung

A. Allgemeines. Die Gegend der Riviera di ponente, in der das Erdbbeben des Februars 1887 die grösste Intensität besass, war schon früher betroffen worden durch mehr oder weniger heftige Erdstösse und ist bezeichnet durch die Linie Albissola-Savona bis Mentone-Nizza. Die schwerste Katastrophe ereignete sich in Dianomarina, Noli, Albissola, Bussana, Castellaro, Bajardo, Diano-Castello, Mentone. Hier waren die meisten Opfer gegen 1200. Eine Menge anderer Orte (gegen 20), namentlich in der Umgebung von San Remo, wurden mehr oder weniger schwer beschädigt. San Remo war vielleicht nicht mathematisch genau das seismische Epicentrum, aber doch das eigentliche Centrum für den Beobachter, namentlich für den Geognosten konnte es abgeben; denn wenn auch einerseits Dianomarina und Oneglia, andererseits Mentone schwer beschädigt waren, so war doch San Remo das auf einem Felsen liegende und deshalb wenig beschädigte Centrum, um welches es bis hoch hinauf in die Berge bebte mit theilweise entsetzlichen Zerstörungen. Wohl sagt man mit Recht, dass auch die schlechte Construction der Häuser, die Bauart mittelst runder, ohne wirklichen Mörtel (meist Strassenstaub) an einander gefügter Steine, einen Grund des schrecklichen Unglücks abgegeben haben. In Dianamarina sieht man den Beweis, denn das solide, neugebaute Präfecturgebäude blieb allein unbeschädigt von allen Häusern - aber wie will man die Zerstörung der Häuser hoch im Gebirge (über 1000 m) erklären? Hier sind allgemeine und örtliche Ursachen im Spiele. Von den allgemeinen werden wir später reden. Die örtlichen sind: der weiche Sandboden, ferner die langen Flussläufe auf nicht felsigem Grund und die Flussdeltas (Anschwemmung von Land in der Umgebung des Meeres) Mentone, Dianomarina, Oneglia, Taggia.