Original paper

Beobachtungen an Gletscherschliffen.

Lang, Otto

Kurzfassung

In meiner Beschreibung des granitischen Prädacites von Christiania habe ich berichtet, dass ein an demselben senkrecht zu einer Gletscherschlifffläche orientirter Dünnschliff ein System von zu dieser parallelen Spaltrissen zeigte, deren gegenseitiger Abstand mit der Entfernung von der Schlifffläche wuchs; ich sprach dabei die Vermuthung aus, dass dieses System von Spaltrissen auch mit unter die "Gletscherproducte" zu rechnen sei und dass es derselben Massenbewegung (Gleitung unter starkem Drucke) wie die Gletsclierschlifffläche seine Bildung verdanke. Um dieses Verhältniss weiter zu ergründen, untersuchte ich die übrigen in meinem Besitze befindlichen, von Gletschern (oder unter Umständen Eisbergen) geschliffenen Gesteinsstücke; bei den eben geschliffenen Stücken wurden die Dünnschliffe einfach senkrecht zur Gletscherschlifffläche orientirt, bei den mit Rillen und Hohlkehlen ausgestatteten aber die Präparate so herausgeschnitten, dass sie überdies entweder senkrecht ("quer") oder parallel ("längs") zu diesen stehen. Beiläufig bemerkt bedarf es, da bei der Herstellung sehr dünner, zur Beobachtung der feineren Verhältnisse nöthiger Schliffe die Schnittkante mit dem Gletscherschliffe sehr selten unversehrt erhalten bleibt und oft ganz verloren geht, ausser dünner auch dickerer Präparate, welche jene Kante in noch möglichst stetigem Verlaufe zeigen; dieselbe muss natürlicherweise beim Präpariren besonders gekennzeichnet bleiben. Sind, wie vermuthet wurde, jene Spaltrisse Gletscherproducte, so ist zu ermitteln, einen wie grossen Einfluss auf ihre Ausbildung und Anordnung nicht allein die Richtung der Gletscherbewegung ausgeübt habe, sondern auch die von Mineralbestand und Structur, unter Umständen auch von der Lage gewisser Structurflächen zur Oberfläche und zur Gletscherrichtung abhängigen Elasticitätsverhältnisse der geschliffenen Gesteine. Da aber, wie von vorn herein nicht verhehlt wurde, nur Vermuthung die Spaltrisse in Verbindung mit der Gletscherbewegung bringt, so verlangt die Rücksicht auf andere mögliche Factoren auch die Beachtung von noch weiteren Verhältnissen, nämlich der Empfänglichkeit betr. Gesteine für Verwitterungsagenzien, der entblössten Lage der Gletscherschlifffläche seit beendigter Vergletscherung oder ihrer Bedeckung durch Schwemmboden, ihr Ausgesetztsein gewissen Witterungsfactoren, z. B. der Insolation gegenüber, u. s. w. Darnach bedarf es zur erschöpfenden und endgiltigen Lösung und Entscheidung der aufgeworfenen Frage eines sehr umfangreichen und mannichartigen Materials, über welches ich nicht verfüge; trotzdem schmeichle ich mir mit der Hoffnung, dass das Folgende als ein Beitrag zur Klärung der Aufgabe erkannt werde.