Original paper

Ueber Riebeckit, ein neues Glied der Hornblendegruppe, sowie über Neubildung von Albit in granitischen Orthoklasen.

Sauer, Adolf

Kurzfassung

Vor längerer Zeit übergab mir mein verehrter Freund Prof. K. v. Fritsch in Halle a. S. eine kleine Suite massiger Gesteine, welche im Jahre 1880 von Dr. E. Riebeck bei seiner Reise um die Erde auf der Insel Socotra gesammelt wurden, zur gelegentlichen Untersuchung. Unter verschiedenen grob- und mittelkörnigen Graniten und dichten, diorit- bezw. syenitähnlichen Gesteinen dieser Suite war es ein ziemlich grobkörniger, nach seiner Gesammtfärbung licht fleischrother Granit, der mir besonders dadurch auffiel, dass er frei von jeder Art von Glimmer, statt dessen in ziemlicher Häufigkeit bis 5 mm lange und selten über 1 mm dicke, zuweilen deutlich längsgestreifte Kryställchen eines prismatischen, dem unbewaffneten Auge vollkommen schwarz erscheinenden Minerales aufwies, das in seinem ganzen äusserlichen Habitus umsomehr an manche granitische Turmalin-Vorkommen erinnerte, als es gleich diesen eine gewisse Neigung zu fleckenförmiger Anreicherung bekundete. Dass aber Turmalin hier nicht vorliegen konnte, lehrte schon die Betrachtung mit der Lupe, welche ohne Schwierigkeit eine ausgezeichnet entwickelte prismatische Spaltbarkeit dieses Minerales offenbarte. Der überaus charakteristische Spaltwinkel aber von etwa 124°, den man an mehreren fast genau senkrecht zur Längsaxe orientirten Querschnitten in einigen Dünnschliffen dieses Granites beobachten konnte, wies das Mineral zunächst der Hornblendegruppe zu. Eine nähere Bestimmung und Einordnung ermöglichte erst die Feststellung von folgenden Merkmalen: einer überaus leichten Schmelzbarkeit, verbunden mit intensiver Natronreaction in der Flamme des Bunsen'schen Brenners, einer geringen, 4° nicht übersteigenden Auslöschungsschiefe, und endlich eines starken, auffälligen, zwischen hell gelb-grün und dunkel blau liegen den Pleochroismus, also von Merkmalen, welche insgesammt dieses hornblendeartige Mineral als dem Glaukophan bezw. dem Arfvedsonit nahestehend charakterisirten. Dieser Umstand verlieh aber dem vorliegenden quarzreichen, vollkommen glimmerfreien Hornblendegranite ein ganz besonderes Interesse.