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Ueber die Natur und Entstehungsweise der Stylolithen.

Gümbel, V.

Kurzfassung

In meiner brieflichen Mittheilung über die Natur und Entstehungsweise der Stylolithen (diese Zeitschrift, 1882, Bd. 34, p. 643) habe ich in Zweifel gezogen, ob in horizontaler Richtung ausgestreckte Stylolithen überhaupt vorkommen. Eine kürzlich am Jurakalk bei Burglengenfeld gemachte Beobachtung lässt diesen Zweifel als unbegründet erscheinen, indem ich dort noch im unverrückten Felsen anstehende, zahlreiche, horizontal liegende Stylolithe neben senkrechten und nach verschiedenen Richtungen verlaufenden an verschiedenen Stellen aufgefunden habe. Dieses Vorkommen horizontaler Stylolithe ändert jedoch nichts an der Vorstellung von ihrer Bildungsweise, bei welcher die horizontale Lage nur durch gewisse, unschwer zu erkennende örtliche Umstände bedingt erscheint. Was zunächst die Beschaffenheit dieser horizontalen Stylolithe anbelangt, so ist zu bemerken, dass diese genau mit jener der vertical gestellten übereinstimmt. Wie bei letzteren bemerken wir auch an den horizontalen Zapfen seitlich und an den Enden denselben Ueberzug von Mergel, dieselbe scharfe Streifung und Canelirung, sowie das gleiche plötzliche Absetzen der säulenförmigen Absonderungen, sodass an eine andere Entstehungsursache dieser horizontalen Stylolithe, als wie jene der verticalen nicht zu denken ist, nur dass die Bewegungsrichtung eine andere ist. Halten wir an der Vorstellung fest, dass die Stylolithe überhaupt durch den Druck des auflagernden Gesteinsmaterials auf eine krustenartig mehr verfestigte Mergelschicht, welche eine tiefere Gesteinslage bedeckte, entstanden sind, wobei diese Mergelrinde durch das auflastende Gewicht zerdrückt und zerstückelt wurde und die einzelnen kleinen Mergelstücke nun in die noch halbweiche Kalkunterlage einsanken, zugleich auch das Gesteinsmaterial der über dem Mergel ursprünglich vorhandenen höheren Schicht in den von den einsinkenden Mergelschollen erzeugten Raum nachdrängt, so ist erklärlich, dass da, wo durch Spalten dem Niedersinken der Mergelstücke ein geringerer Widerstand in seitlicher Richtung entgegengestellt war als gegen abwärts, das Mergelstück seitlich und oft geradezu horizontal in der Richtung des geringsten Widerstandes abgelenkt wurde und eine horizontale Bewegung annehmen konnte, um auf solche Weise horizontal gestreckten Stylolithen den Weg vorzuzeichnen.